Eine Weideprämie für Schafe

Schäfer demonstrieren in Berlin für einen finanziellen Ausgleich ihrer Leistungen

Mehrere Hundert Schäfer waren Anfang März nach Berlin vor die Tore des Bundeslandwirtschaftsministeriums gezogen, um für eine Weideprämie zu demonstrieren.

„Wir brauchen diese Prämie, um unsere Existenz zu sichern. Es ist ernst. Viele Schäfer haben bereits ihren Beruf aufgegeben“, warnte Knut Kucznik, Vorsitzender des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg, vor dem Regierungsgebäude und wies auf die sinkenden Erlöse in der Branche hin. „Nur mit Schäfern können Landschaften gepflegt und die Biodiversität erhalten bleiben“, gab er zu bedenken. 38 Euro pro Mutterschaf, das ergaben die Auswertungen von Betriebsanalysen der Landesverbände und Beratungsringe, fehlen den Schäfern derzeit. Die Europäische Union hat ein Instrumentarium geschaffen, mit dem eine derartige „gekoppelte“ Zahlung auch in Deutschland eingeführt werden könnte. Hierfür müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein, erläutert Günther Czerkus vom Bundesverband der Berufsschäfer e. V., der die Demonstration in Berlin organisiert hat. Zum einen müssten die zu unterstützenden Betriebe in einer Situation sein, in der sie aus eigener Kraft nicht mehr fortbestehen können, und zum anderen müssen sie mit ihrer Arbeit Leistungen erbringen, die für die Region und/oder die Gesellschaft eine unersetzliche Rolle spielen, sogenannte übergeordnete Werte. Genutzt wird diese Möglichkeit in allen anderen 22 EU-Mitgliedsländern, die Schafe und Ziegen halten. Es geht oftmals um die Sicherstellung der Bewirtschaftung von Grenzertragsstandorten. In Deutschland wären dies Gebiete wie die Kalkmagerrasen der Schwäbischen Alb oder die Lüneburger Heide. Neben diesen großflächigen Naturräumen gibt es nahezu in jeder Region kleinräumige Biotope, die keiner landwirtschaftlichen Nutzung zugänglich sind. Genau hier sind die Schäfer diejenigen, die die Biotope vor der Verbuschung und damit vor ihrem Verschwinden bewahren. Eine zentrale Rolle haben Schafe auch bei der Pflege von Deichen entlang von Flüssen und an der Nord- und Ostseeküste. Der finanzielle Ausgleich für diese Leistungen ist oftmals gering. Auch die Preise für Lammfleisch sind nicht ausreichend, um die Existenzen nachhaltig abzusichern.

Nach den Vorstellungen der Berufsschäfer soll die Prämie mit Geld aus der ersten Säule finanziert werden. Um ca. 2,30 Euro würde der Wert der Zahlungsansprüche sinken, wenn für jedes Mutterschaf 38 Euro gezahlt würden, berichtet Czerkus. Für die erste Säule spricht, dass die Umsetzung schnell, schon für kommendes Jahr, umgesetzt werden könnte. Könnte wohlgemerkt. Denn das Bundeslandwirtschaftsministerium hat schon signalisiert, dass es nichts von gekoppelten Prämien hält. Im Ernährungsausschuss des Bundestages warnten denn auch der agrarpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Albert Stegemann, und der zuständige Berichterstatter Hermann Färber vor einer Einführung. Man solle weiter an einer „Marktorientierung der Landwirtschaft“ festhalten. Zu beachten sei auch, dass die Schafhalter schon Gelder durch die Betriebsprämie sowie durch Förderprogramme der zweiten Säule erhielten. Letztendlich erhielten die Schafhalter viel mehr Gelder als zu Zeiten der Mutterschafprämie. Im Bundeslandwirtschaftsministerium ist man darüber hinaus in Sorge, die Einführung einer derartigen Prämie könnte Begehrlichkeiten in anderen Bereichen der Landwirtschaft wecken. Auch wenn eine Umsetzung durch das Bundesministerium einfach wäre, sieht es derzeit nicht danach aus, dass dieses bis Anfang August einen entsprechenden Antrag nach Brüssel schickt. Dennoch müssen die Probleme der Schäfer weiter thematisiert werden. Schon im vergangenen Jahr hat sich die Agrarministerkonferenz auch auf Betreiben Hessens mit der Einführung einer Weideprämie beschäftigt.

11.04.2018
Von: mn

Schafe: Zum Lammen im Stall aber sonst auf der Weide