Die Milcherzeugungskosten steigen, der Milchpreis folgt zu zögerlich und es besteht für die Milchviehbetriebe eine Kostenunterdeckung von 30 Prozent, so der jüngst vorgelegte Milch Marker Index (MMI). Für Frank Lenz, Vorsitzender der MEG Milch Board w. V., ist die wirtschaftliche Lage der Milchviehbetriebe „äußerst prekär“.
Der Milch-Marker-Index lag im Juli 2026 bei 123 Punkten. Die Milcherzeugungskosten blieben mit 56,65 Cent je Kilogramm gegenüber dem vorhergehenden Stichmonat nahezu unverändert, während die Auszahlungspreise um 1,15 Cent auf 39,44 Cent zulegten. Die Kostendeckung verbesserte sich leicht auf 70 Prozent. Damit hat sich die Kostenunterdeckung gegenüber 2025 von 8 auf 30 Prozent deutlich erhöht. Es fehlen mindestens 17,21 Cent je Kilogramm Milch.
Keine Region im Bundesgebiet mit kostendeckenden Preisen
Regional bestehen deutliche Unterschiede: Die Kostenunterdeckung beträgt im Norden 21 Prozent, im Osten 30 Prozent und im Süden 37 Prozent. Die Region Süd wies weiterhin die ungünstigste Kostendeckung auf, dort stiegen die Erzeugungskosten um 0,18 Cent auf 63,33 Cent je Kilogramm, der Auszahlungspreis stieg um 0,62 Cent auf 39,62 Cent. Anders als früher erzielte die Region Süd nicht mehr den höchsten Auszahlungspreis.
Ausgeglichenere Angebot und Nachfrage nutzt Erzeugern nichts
Das Milchaufkommen sinkt, unter anderem bedingt durch Hitze und Trockenheit. Angebot und Nachfrage nähern sich an. Diese Entwicklung schlägt sich aber nicht bis zu den Milcherzeugerinnen und Erzeugern durch. „Die wirtschaftliche Lage der Milchviehbetriebe ist äußerst prekär und es fehlen 30 Prozent zur Kostendeckung", sagt Frank Lenz, Vorsitzender der MEG Milch Board w. V. Im September stieg zwar der ife-Rohstoffwert im Vergleich zum Vormonat um vier Prozent auf 42,6 Cent je Kilogramm Rohmilch. An dieser besseren Verwertung lassen die Molkereien die Milcherzeuger jedoch wieder einmal nicht teilhaben.
Einzelne Segmente, wie der boomende Proteinmarkt, bilden sich nicht ausreichend im ife-Rohstoffwert ab. „Studien belegen, dass sich der Auszahlungspreis mehr am ife-Rohstoffwert orientiert und weniger an der Wertschöpfung der Molkerei. Für die Milcherzeugerbetriebe bedeutet das, am Markt aktiv zu werden und selbst Preise vor Lieferung zu formulieren", sagt Frank Lenz. „Inwieweit die Preise unmittelbar durchsetzbar sind, hängt davon ab, wie sich die Erzeugerinnen und Erzeuger bündeln, ob sie Verträge vor Lieferung mit klaren Elementen aushandeln und wie daraus Produktionsmengen an die Marktbedingungen angepasst werden."
MEG Milch Board setzt sich für wirksame Verträge vor Lieferung ein
Die EU-Kommission hat die EU-weite Vertragspflicht vor Lieferung initiiert, auch weil das Budget für Agrarzahlungen sinken wird und es umso notwendiger ist, dass der Wettbewerb auch für Erzeugerinnen und Erzeuger funktioniert. „Die MEG Milch Board setzt sich dafür ein, dass die Vertragspflicht in Deutschland wirkungsvoll angewendet wird und Genossenschaften einbezogen werden. Das ist ein erster wichtiger Schritt, dass nicht nur Menge geliefert und Auszahlungspreise hingenommen werden, sondern dass wir Preis, Menge, Qualität und Laufzeiten vor Lieferung mit unserer jeweiligen Molkerei verhandeln und festlegen", sagt Frank Lenz.