Zum Start der Verhandlung über das Bürokratieabbaugesetz im Bundestag, in dem die eigentlich ursprünglich für 2026 vorgesehenen Öko-Regelungen zur Weidehaltung und zum Biotopverbund abgeschafft werden sollen, hat die AbL, unterstützt von der Aktion Agrar, am Donnerstag mit einer Protestaktion und Pressekonferenz dagegen vor dem Bundestag ein Zeichen gesetzt. Die Milchbäuer*innen Gesa Thießen, Kirsten Wosnitza und Ottmar Ilchmann standen auf ihren Weiden und gaben per Video Livestatements und erklärten, warum die politische Entscheidung zum Streichen der bundesweiten Weideförderung falsch ist. Sie appellierten an Bundestag sowie Bundesrat, die geplante Abschaffung der Öko-Regelung zu stoppen. Die AbL hatte zu der Aktion auch die agrarpolitisch zuständigen Vertreter*innen im Bundestag von CDU/CSU, SPD, Grünen und der Linken eingeladen. Die Union sagte eine Teilnahme ab. Franziska Kersten (agrarpolitische Sprecherin der SPD), Marcel Bauer (Obmann der Linken im Agrarausschuss) und Ophelia Nick (agrarpolitische Sprecherin der Grünen) begrüßten die „tolle Aktion“ (Kersten) und unterstrichen die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit einer Weideprämie, wenngleich Franziska Kersten da mit Blick auf das von der Bundesregierung und somit auch ihrer Partei vorgelegte Bürokratieabbaugesetzt durchaus „ein Problem“ sieht. Nick und Brauer forderten die Öko-Regelung zur Weidehaltung auch in der am Abend (Beginn 23:10 Uhr) im Bundestag erfolgten 20minütigen Aussprache zum Bürokratieabbaugesetz, in der Minister Rainer den konkreten Verzicht auf die Öko-Regelung Weide und damit auch die schwierige Situation der Weidetierhalter mit keinem Wort erwähnte und lediglich von der Verhinderung weiterer Bürokratie sprach. Der Gesetzentwurf wurde nach der Aussprache zur weiteren Beratung in die zuständigen Ausschüsse verwiesen.
„Die Weidehaltung ist wirtschaftlich sehr unter Druck“, erklärt per Video im Rahmen der Protestaktion Ottmar Ilchmann, Milchbauer aus Niedersachsen. „Der Hauptgrund dafür ist ein um 1000 Liter geringerer Milchertrag pro Tier im Jahr. Mein Appel daher an die Bundestagsabgeordneten: überlegen sie sich ganz genau, ob es nicht eine Öko Regelung Weide doch jetzt geben müsste. Die Finanzierung ist gegeben, die Vorteile liegen auf der Hand. Minister Rainer sollte in sich gehen und von seinem bisherigen Kurs abweichen. Damit Weidehalterinnen nicht frustriert werden und mit Stolz sagen können: Weidehaltung ist Zukunft und hat auch Zukunft", so Ilchmann.
Auch Gesa Thießen, Jung-Milchbäuerin aus Niedersachsen und ebenfalls per Video zugeschaltet, setzt sich für den Verbleib der Öko-Regelung Weide ein. „Im Dezember dieses Jahres steige ich hier in meinen Betrieb ein. Um auch in Zukunft diese Form der Landwirtschaft weiterzuführen. Um als Junglandwirtin einen Betrieb zukunftsfähig aufzustellen, muss ich wissen, wie es weitergeht. Ich kann nicht darauf warten, dass in einem oder zwei Jahren die nächste GAP kommt und sich die Zahlungen wieder komplett ändern. Daher stehe ich heute hier und setze mich dafür ein, dass die Öko-Regelung Weide nicht gestrichen wird, als ein Baustein einer natur- und tierfreundlichen Landwirtschaft", sagt die Jung-Milchbäuerin.
Gefordert sieht per Video auch Kirsten Wosnitza, Milchbäuerin aus Schleswig-Holstein, die Politik: „Ich finde auch, dass Bürokratieabbau wichtig ist, aber es darf nicht immer wieder zum pauschalen Argument werden, mit dem man Standards oder wichtige Fördermaßnahmen streicht. Die Öko-Regelung für Weidekühe würde bundesweit ganz konkrete Leistungen honorieren, Tierwohl, Biodiversität und die zusätzliche Arbeit der Weidehalterinnen und Weidehalter. Ich bekomme außerdem auch immer wieder viele Kommentare von Verbraucherinnen und Verbrauchern, die mir zeigen, dass die Weidehaltung gesellschaftlich auch gewünscht ist. Daher ist die Politik nun gefordert, hier endlich für Verlässlichkeit zu sorgen."
Aktion Agrar: Weideprämie streichen geht gar nicht
„Die Weideprämie zu streichen, das geht gar nicht“, erklärt bei der Protestaktion Jutta Sundermann von der Aktion Agrar auch mit Verweis auf das in diesem Jahr von der UN ausgerufene Internationale Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums. Die Aktion mit der AbL vor dem Bundestag ist Teil einer aktuellen Weide-Aktionswoche von Aktion Agrar. Am Mittwoch gab es dazu eine Demonstration und Auseinandersetzung vor dem Bundesumweltministerium rund um das Thema Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz, was auch eine wichtige Rolle spielt für die Zukunft der Weidehaltung. Und am Dienstag waren über 100 Schäferinnen und Schäfer aus ganz Europa in Brüssel zusammen mit ihren Tieren und haben dafür demonstriert, dass auch die zukünftige GAP den weidetierhaltenden Betrieben eine Chance gibt.