Forschende in dem von der Europäischen Union geförderten Projekt Darwin haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich verschiedene Reislinien nachweisen lassen, deren Erbgut mit neuen gentechnischen Verfahren (NGT) verändert wurde. Inzwischen gelingt das zuverlässig für Proben, die nur Reis enthalten. Doch auch für Mischungen mit mehreren Zutaten arbeiten die Wissenschaftler:innen an Lösungen. Ob sich diese durchsetzen werden, hängt von der EU-Kommission ab.
Winzige Änderungen an einzelnen Genen lassen sich nur schwer nachweisen. Noch schwieriger ist es zu zeigen, dass es sich bei einer solchen Änderung nicht um eine natürlich entstandene Mutation handelt, sondern dass sie mittels Gentechnik erzeugt wurde. Bereits im August 2025 hatten Darwin-Forschende ein Verfahren vorgestellt, mit dem sie eine eigens hergestellte NGT-Reislinie sicher in Proben fanden. Sie hatten dazu Methoden zur vollständigen Analyse des Erbguts, künstliche Intelligenz und öffentlich zugängliche Genom-Datenbanken kombiniert. Daraus entwickelten sie eine Art genetischen Fingerabdruck der veränderten Reispflanzen. Nach diesem Fingerabdruck suchten sie dann erfolgreich mit Hilfe neuester Techniken wie der Hochdurchsatz-Sequenzierung, mit der sich viele Stellen im Erbgut gleichzeitig untersuchen lassen. Ihre Ergebnisse bezeichneten die Forschenden damals als Proof of Concept, also als Nachweis, dass ihr Verfahren grundsätzlich funktioniert.
Inzwischen haben es die Nachweis-Expert:innen soweit ausgebaut, dass sich damit verschiedene NGT-Reislinien zuverlässig identifizieren und nachweisen lassen. „Unsere Ergebnisse bilden eine methodische Grundlage für die datengestützte Rückverfolgbarkeit gentechnisch veränderter Reissorten“, schreiben sie in ihrer Ende Juli veröffentlichten Studie. Darin gelang es ihnen, eine genetische Veränderung sicher zuzuordnen, die in indischen Reissorten natürlich vorkommt und mit NGT in eine japanische Reissorte eingebaut wurde. Denn die verwendeten genetischen Fingerabdrücke waren eindeutig.
Um solche Fingerabdrücke zu bekommen, muss allerdings das Erbgut der jeweiligen NGT-Pflanze vollständig analysiert worden sein (Whole-Genome-Sequencing, WGS). Auch braucht es (wie beim Reis vorhanden) öffentliche Datenbanken, in denen die Sequenzinformationen möglichst vieler Sorten gespeichert sind und abgerufen werden können. Ob die Hersteller das Genom ihrer NGT-Pflanzen künftig komplett bestimmen und offenlegen müssen, wird die EU-Kommission in einer Verordnung festlegen, an der sie gerade arbeitet. In einer Anhörung vorab haben sich die einschlägigen Lobbyorganisationen der NGT-Anwender klar gegen eine solche Pflicht ausgesprochen. Die Darwin-Forschenden dagegen schreiben in ihrer Studie: „Um sicherzustellen, dass ein Nachweis möglich ist, sollten Entwickler WGS-Daten und Informationen zu der NGT-Änderung bereitstellen, die den zuständigen Behörden und Kontrolllabors zugänglich gemacht werden sollten.“
Bisher funktioniert das Verfahren bei Reis, es lasse sich aber mit einigen Anstrengungen auch auf andere Pflanzen übertragen, heißt es in der Studie. Aktuell arbeiten Darwin-Forschende daran, Spuren von NGT-Reis auch in anderen Rohstoffen, etwa in Sojabohnen nachzuweisen. Es gelang ihnen, indem sie die genetischen Fingerabdrücke der Reislinien mit einem Verfahren kombinierten, das bestimmte Erbgutbruchstücke anreichert. Die Details dazu haben sie in einer weiteren Studie vorgestellt. „Dieser vielversprechende Proof-of-Concept stellt einen ersten Schritt dar, um gentechnisch veränderte Organismen in der Nahrungskette leichter nachweisen und identifizieren zu können“, heißt es in der Zusammenfassung der Studie.
Eine Meldung des Informationsdienst Gentechnik.