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Landwirtschaftliche Testräume: Ein neuer Weg in die Betriebsgründung

In diesem FarmStarter-Marktgarten kann ein Garten auf Zeit geführt werden. Foto: Julia Bar-Tal

Immer mehr Menschen ohne familiären Hof im Rücken haben eine landwirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen und wollen einen eigenen Betrieb gründen – doch ihnen fehlen Land, Kapital, Infrastruktur und die Erfahrung als Betriebsleitung. Der Sprung von der Ausbildung direkt in die eigene Gründung mit Kredit und vollem Risiko ist so groß, dass viele ihn gar nicht erst wagen.
Wie es anders gehen kann, zeigt Frankreich. Dort sind die Strukturen mittlerweile so ausgerichtet, dass Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger nach einer rund einjährigen, praxisbegleitenden Ausbildung – dem Brevet professionnel responsable d'entreprise agricole (BPREA) – sich bei landwirtschaftlichen Testräumen, den Espaces-tests agricoles, bewerben können. Dort lässt sich das eigene Betriebskonzept mit Produktionssystem und Vermarktung erproben, aber in einem geschützten Rahmen.
Das Konzept ist flexibel: Es gibt dauerhafte Testgelände, auf denen mehrere Gründerinnen und Gründer gleichzeitig ihren Betriebsansatz unter Praxisbedingungen für eine begrenzte Zeit testen. Und es gibt das Testen einer Hofübergabe oder Betriebszweigausgründung auf einem echten Betrieb, wo man nach erfolgreicher Testphase auch bleiben kann.
Der Träger des Testraums stellt gegen eine relativ geringe Gebühr Betriebsnummer, Versicherung und Sozialversicherung. Die Gründerin oder der Gründer – oder auch eine Gruppe, die kollektiv wirtschaftet – erhält über einen eigenen Vertrag (CAPE) einen rechtlichen Status, der bei geringem Einkommen im ersten Jahr weiterhin Unterstützung etwa durch Sozialleistungen erlaubt. Infrastruktur und Teile der Maschinen werden bereitgestellt, Betriebsmittel wie Saatgut müssen selbst organisiert werden. Dazu kommt Beratung zu Businessplan, Buchhaltung, Rechtsform und Förderzugang.
Getragen werden die Testräume von unterschiedlichen Akteuren, oft in einer großen Region wie im Norden Frankreichs: Gemeindeverbände, landwirtschaftliche Bildungseinrichtungen, Verbände und weitere Partner. Landesweit sind die Testräume im Netzwerk RENETA organisiert. Und das mit Erfolg: Fast drei Viertel der Teilnehmenden gründen danach tatsächlich einen eigenen Betrieb, darunter viele Frauen.
Nach der Testphase von ein bis drei Jahren geht es weiter: Entweder man bleibt am Ort und etabliert sich dort, oder es wird – teilweise in Kooperation mit den Trägern – Land gefunden oder sogar gestellt. Deshalb interessieren sich immer mehr Kommunen dafür, ihre neuen Bäuerinnen und Bauern, Gärtnerinnen und Gärtner selbst „heranzuziehen", etwa weil sie wie nördlich von Paris erkennen, dass mehr frisches Gemüse ins regionale Ernährungssystem gehört. Teilweise werden auch Vermarktungswege mitgedacht oder sogar gestellt, bis hin zu einem eigenen Direktvermarktungsladen für die neuen Gründerinnen und Gründer.
All das gibt es in Deutschland bislang nicht. Doch inzwischen entstehen erste Pilotprojekte, die landwirtschaftliche Testräume auch hierzulande etablieren wollen, etwa in der Metropolregion Hamburg.
Ein konkretes Projekt ist FarmStarter Elbe Valley in Prignitz und Altmark, zwischen Berlin und Hamburg. Gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Programm WIR! und getragen vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), der Agrarsozialen Gesellschaft, den Agronauten und zwei Pilotbetrieben, bringt das Projekt Gründerinnen und Gründer mit bestehenden Biobetrieben zusammen. Auf dem Betrieb von Julia Bar-Tal in Garz (Prignitz) können Gründende einen eigenen Marktgarten auf Zeit führen. Bei der Warnke Agrar GmbH in Cobbel (Altmark), die rund 2.000 Hektar ökologisch bewirtschaftet, lässt sich ein eigener Betriebszweig aufbauen – mit der Perspektive zu bleiben. Während der Testphase werden die Gründerinnen und Gründer von Mentorinnen und Mentoren begleitet und erhalten Beratung zu Businessplan, Buchhaltung, Rechtsform und Förderzugang. Ein Netzwerk aus Flächenakteuren wird aufgebaut, und das Projektteam lotet aktuell aus, wie für die Testphase auch Sozialversicherungsbeiträge und eine kleine Grundsicherung ermöglicht werden können. Bewerbungen sind ab sofort möglich. Wer mit einer konkreten Idee den Schritt in die eigene Betriebsgründung gehen will, Teil einer Trägerstruktur sein möchte oder generell Interesse an Innovation in der Landwirtschaft hat, findet mehr Informationen unter www.farmstarter-elbevalley.de.

Peter Volz, Agronauten
peter.volz@agronauten.net