Die US-Firma Colossal Biosciences hat ein Patent auf den sogenannten ‚Schattenwolf‘ beantragt. Unter der Nummer WO2026156231 beansprucht die Firma gentechnisch veränderte Wölfe als ihre ‚Erfindung‘, bei denen rund ein Dutzend Genfunktionen verändert wurden. Die Tiere sollen sich unter anderem durch Größe, Fellfarbe und Tasthaare von heute lebenden Wölfen unterscheiden. Sie sollen so einer ausgestorbenen Wolfsart ähneln, wobei die Ähnlichkeit nach Ansicht des Instituts für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie Testbiotech aber vor allem auf Phantasie beruht.
Im Patent beansprucht werden laut Testbiotech bestimmte Genvarianten, die das Aussehen der Tiere beeinflussen, sowie die gentechnisch veränderten Wölfe selbst. Laut Patentschrift könnten ähnliche gentechnische Veränderungen bei über 20 wildlebenden Arten durchgeführt werden, darunter Wölfe, Füchse, Schakale, Koyoten und Wildhunde.
Mit dem Patentantrag begibt sich die Firma nach Ansicht von Testbiotech auf ein ethisch fragwürdiges Terrain. Das Patent könnte einen wirtschaftlichen Anreiz bedeuten, Versuche durchzuführen, die für die Tiere mit Schmerzen und Leiden verbunden sind.
Zur Anwendung kamen neben den Verfahren der Neuen Gentechnik auch Klonverfahren, von denen bekannt ist, dass sie mit hohen Tierverlusten und erheblichem Tierleid einhergehen können. Wie aus der Patentschrift hervorgeht, wurden im Rahmen der Versuche 339 ‚transgene‘ Wolfsembryonen erzeugt, 2024 wurden zwei Tiere geboren. Ein drittes Tier stammt aus weiteren Versuchen. Die gentechnisch veränderten Embryonen wurden von Hündinnen ausgetragen, die als Leihmütter dienten. Es ist bekannt, dass derartige Leihmütter erheblichen Belastungen und gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind. Auch die Haltung der gentechnisch veränderten Wölfe, die lebenslang eingesperrt bleiben sollen, ist ethisch fragwürdig, so Testbiotech.
Die Colossal Foundation, die sich als Non-Profit-Ableger der Firma Colossal Biosciences bezeichnet, hat jüngst bekannt gegeben, ein gemeinsames Projekt mit der internationalen Naturschutzorganisation IUCN mit vier Millionen US-Dollar zu finanzieren. Dabei geht es um ‚innovativen‘ Artenschutz, es sollen neue Technologien und künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Vor dem Hintergrund der Aktivitäten von Colossal Biosciences wirft dieses Engagement für Testbiotech verschiedene Fragen auf. So zum Beispiel, ob die Firma exklusive Nutzungsrechte an genomischen Daten von Wildtieren erhalten könnte, um weitere Patente anzumelden.
Ausgestorbene Tiere wie Wollmammuts, Schattenwölfe und Dodos wieder ‚zum Leben zu erwecken‘: das ist die Absicht des US-Unternehmens Colossal Bioscienes. Was die Firma aber tatsächlich mithilfe von Neuer Gentechnik und künstlicher Intelligenz kreiert, sind gentechnisch veränderte Tiere wie Asiatische Elefanten mit Mammuteigenschaften, Grauwölfe mit Eigenschaften des ‚Schattenwolfes‘, südamerikanische Vögel, die dem Moa teilweise ähnlich sind und Mäuse mit ‚Wollmammutfell‘.
Es werden also keine ausgestorbenen Tierarten ‚wieder zum Leben erweckt‘, sondern Gentechnik-Tiere kreiert, die noch nie auf diesem Planeten existiert haben. Die Projekte sind auch mit erheblichen Risiken für den Artenschutz verbunden, wenn beispielsweise gentechnisch veränderte Wildtiere wie ‚Schattenwölfe’ in die natürlichen Populationen entkommen und sich dort fortpflanzen, teilt Testbiotech mit.
Der Schattenwolf ist auch einer von drei Kandidaten für die ‚Rostige Gen-Schere‘, einen Negativpreis, der von Testbiotech verliehen wird. Zur Teilnahme an der Abstimmung geht es hier.