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AgrarBündnis widerspricht „Agrarbündnis für Pflanzenschutz“

Das AgrarBündnis e.V. weist auf Verwechslungsgefahr bezüglich des verwendeten Namens mit dem "Agrarbündnis für Pflanzenschutz" hin.

Das AgrarBündnis e. V. warnt vor Verwechslungen mit dem „Agrarbündnis für Pflanzenschutz“ durch die nahezu identische Namensgebung und erklärt mit Blick auf eine vom „Agrarbündnis für Pflanzenschutz“ gestartete Petition, dass Versorgungssicherheit mehr braucht als schnellere Pflanzenschutzmittelzulassungen.

Unter der Bezeichnung „Agrarbündnis für Pflanzenschutz“ haben verschiedene Verbände aus Landwirtschaft, Gartenbau, Agrarhandel und Agrarindustrie eine Petition zur Reform der Genehmigungs- und Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel gestartet. In der begleitenden Öffentlichkeitsarbeit wird dabei teilweise verkürzt vom „Agrarbündnis“ gesprochen. Das seit vielen Jahren bestehende AgrarBündnis e. V., in dem Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz, Tierschutz, Verbraucher- und Entwicklungspolitik zusammenarbeiten, weist deshalb auf die Verwechslungsgefahr hin.

„Wer vom Agrarbündnis spricht, muss deutlich machen, welches Bündnis gemeint ist. Das AgrarBündnis e. V. steht nicht hinter dieser Petition“, erklärt Simon Krischer, Vorstandsmitglied des AgrarBündnis e. V. „Wir teilen das Anliegen, dass landwirtschaftliche Betriebe wirksame Lösungen zum Schutz ihrer Kulturen brauchen. Die in der Petition vorgenommene Verknüpfung von Pflanzenschutzmittelzulassungen, der wirtschaftlichen Zukunft der Landwirtschaft sowie der regionalen Nahrungsmittelversorgung und Versorgungssicherheit greift aus unserer Sicht jedoch deutlich zu kurz.“

Wirkstoffverluste haben unterschiedliche Ursachen

Dass für einzelne Kulturen und Anwendungen geeignete Pflanzenschutzmöglichkeiten fehlen, kann für landwirtschaftliche Betriebe ein ernstes Problem sein. Aus der sinkenden Zahl verfügbarer Wirkstoffe lässt sich nach Ansicht des AgrarBündnis e. V. jedoch nicht schließen, dass hierfür in erster Linie zu strenge oder zu langwierige Zulassungsverfahren verantwortlich sind.

Ein Faktencheck des BUND, ein Mitgliedsverband des AgrarBündnisses, kommt bei der Untersuchung von rund 150 synthetischen Pflanzenschutzmittelwirkstoffen, die seit 2011 vom EU-Markt genommen wurden, zu einem differenzierteren Ergebnis: Für 54 Prozent wurde kein Antrag auf Wiedergenehmigung gestellt. Bei weiteren Wirkstoffen wurden Anträge zurückgezogen oder die erforderlichen Daten waren unvollständig. Bei rund einem Drittel waren nicht hinnehmbare Risiken für Mensch, Umwelt oder Grundwasser ausschlaggebend.

Das AgrarBündnis hält es deshalb für falsch, hohe Umwelt- und Gesundheitsstandards als wesentliches Hindernis für einen zukunftsfähigen Pflanzenschutz darzustellen. Der Schutz von Gesundheit, Biodiversität, Böden und Gewässern ist eine Voraussetzung für eine langfristig tragfähige Landwirtschaft.

Gleichzeitig braucht die Landwirtschaft nach Ansicht des AgrarBündnis wirksame Alternativen und neue Lösungen. Forschung und Entwicklung sollten stärker darauf ausgerichtet werden, wirksame und möglichst risikoarme Pflanzenschutzverfahren zur Verfügung zu stellen. Zugleich gelte es, durch Beratung und Förderung die Abhängigkeit von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln zu verringern. Dazu gehören biologische Pflanzenschutzmittel und Grundstoffe ebenso wie widerstandsfähige Sorten, vielfältige Fruchtfolgen, mechanische und digitale Verfahren und die Weiterentwicklung des integrierten Pflanzenschutzes.

Pflanzenschutz ist dabei für das AgrarBündnis keine Frage von konventionell oder ökologisch. Auch ökologisch wirtschaftende Betriebe müssen ihre Kulturen wirksam schützen können. Gerade der ökologische Landbau zeige aber auch, dass Pflanzenschutz nicht mit dem Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel gleichzusetzen ist.

Versorgungssicherheit nicht auf Pflanzenschutzmittel reduzieren

Kritisch sieht das AgrarBündnis die enge Verknüpfung zwischen der Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln und der Zukunft der regionalen Lebensmittelerzeugung und Versorgungssicherheit. Sichere Ernten und wirksamer Pflanzenschutz sind wichtig. Ob landwirtschaftliche Betriebe langfristig Lebensmittel erzeugen können, hängt laut AgrarBündnis aber ebenso von kostendeckenden Preisen, Produktionskosten und ihrer Position in der Wertschöpfungskette ab. Für eine starke regionale Lebensmittelerzeugung brauche es darüber hinaus regionale Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen sowie Rahmenbedingungen, unter denen diese dauerhaft wirtschaftlich bestehen können.

Zur Versorgungssicherheit gehöre außerdem die Frage, was mit den erzeugten Lebensmitteln geschieht. In Deutschland fallen jährlich rund 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Ihre Vermeidung schont nicht nur Lebensmittel, sondern auch die für ihre Erzeugung eingesetzten Flächen, Energie und weiteren Ressourcen. Wer über Versorgungssicherheit spricht, sollte deshalb neben der Sicherung landwirtschaftlicher Erträge auch die Vermeidung von Lebensmittelverlusten und -verschwendung in den Blick nehmen.

„Wer die regionale Lebensmittelerzeugung sichern will, muss breiter schauen“, so Krischer. „Wir brauchen wirksamen Pflanzenschutz und neue Lösungen. Genauso wichtig sind wirtschaftlich tragfähige Betriebe, starke regionale Wertschöpfungsketten und der Schutz unserer natürlichen Produktionsgrundlagen. Und wir müssen sorgsamer mit den Lebensmitteln umgehen, die wir bereits erzeugen.“

Das AgrarBündnis e. V. bittet deshalb die Initiatoren des „Agrarbündnisses für Pflanzenschutz“ ebenso wie die beteiligten Verbände und andere Organisationen, in ihrer Kommunikation die vollständige Bezeichnung der Initiative zu verwenden. Verkürzte Bezeichnungen wie „Agrarbündnis“ können leicht zu Verwechslungen mit dem seit vielen Jahren bestehenden AgrarBündnis e. V. führen.

Dem „Agrarbündnis für Pflanzenschutz“, das die Petition unter dem Titel  „Damit regionale Lebensmittel Zukunft haben” gestartet hat, gehören an: der Deutsche Bauernverband (DBV), der Zentralverband Gartenbau (ZVG), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV), DER AGRARHANDEL (DAH), der Industrieverband Agrar (IVA), die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO), die Bundesfachgruppe Obst (Obstbau), die Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft (UNIKA), der Verband Deutscher Hopfenpflanzer (VDH), die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ), die UFOP Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen, der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS), der Deutsche Hopfenwirtschaftsverband (DHWV) und OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.