Wir erleben zurzeit einen Epochenwandel mit ebenso disruptiven wie tiefgreifenden Änderungen. Nicht zuletzt auch in der Agrarpolitik: Unter dem Deckmantel von Bürokratieabbau wird jede Form von Ordnungspolitik infrage gestellt und delegitimiert. Das zeigt sich bei der Zulassung von Pestiziden, bei der ineffizienten und rechtlich problematischen Düngepolitik, der mangelnden Regulierung des Bodenmarktes oder beim verschleppten Tierschutz. Tiefpunkt dieser Entwicklung ist das vorläufige Ergebnis des EU-Trilogs Anfang Dezember 2025 und die dort beschlossene weitgehende Deregulierung der Neuen Gentechnik. Das Vorsorgeprinzip, der Umwelt- und Verbraucherschutz sowie die Zukunft der gentechnikfreien konventionellen und ökologischen Märkte stehen zur Disposition.
War es vormals der ewige Stillstand bei den Reformbemühungen, der von Seiten der Zivilgesellschaft beklagt wurde, sind es nun die vielen Rückschritte bzw. die gezielte Rückabwicklung der wenigen kleinen Reformschritte der vergangenen Jahre.
Zurück bleibt eine gewisse Ratlosigkeit, wie auf die Wucht und Geschwindigkeit, mit der all das geschieht, adäquat zu reagieren ist. Eine durchaus verständliche Ratlosigkeit, die von der Umkehrung vieler Werte und zivilisatorischer Standards zeugt, die noch vor Kurzem Orientierung gaben. In einem zentralen Punkt jedoch gibt es keine Verunsicherung, vielmehr große Gewissheit unter den 74 Autor:innen dieses Berichts: Die regressive Agrarpolitik, wie sie auf den folgenden Seiten vielfach beschrieben und kritisiert wird, wird keines der großen Probleme einer Lösung auch nur näherbringen.
27 der 49 Beiträge sind dem Schwerpunkt „Wandel & Widerstand“ gewidmet. Darüber hinaus wird ein breites Spektrum an Themen behandelt: von psychischen Belastungsstörungen auf landwirtschaftlichen Familienbetrieben über Fragen der Moornutzung bis hin zu ersten, noch tastenden Versuchen, die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf die Landwirtschaft besser zu verstehen.