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04.02.2016

mn

Es wird schon wieder: 2021!

Der Milchindustrieverband verspricht sehr optimistische Aussichten für alle, die durchhalten

Die Quote ist wieder da, stellte die Tageszeitung aus Berlin fest. Gemeint war der Versuch von Europas größtem Molkereiunternehmen Friesland Campina, der immer weiter steigenden Anlieferungsmengen Herr zu werden. Einen Bonus in Höhe von zwei Cent/kg Milch versprach das Unternehmen all jenen Lieferanten zu zahlen, die ihre Anlieferungsmenge nicht weiter steigern oder gar reduzieren. Als Referenzzeitraum wurden die letzten beiden Wochen des vergangenen Jahres zugrunde gelegt. Friesland Campina ist damit die erste Molkerei, die öffentlich einräumt, dass sie die Milch ihrer Mitglieder nicht vollständig verwerten kann. Angeführt wurden zeitweilige Engpässe bei der Verarbeitungskapazität. Aus diesem Grund sei die Regulierung auch nur vom 1. Januar bis zum 16. Februar befristet.

Weder der Milchindustrieverband noch der Deutsche Bauernverband (DBV) wollen für die Milchbauern wirksame Marktregulierungsinstrumente einführen. Udo Folgart, Milchbauernpräsident und Vizepräsident des DBV, betont, die Verantwortung liege bei den Milchbauern und den Molkereien und müsse „sich vom Markt her definieren“. Der DBV sieht sich als Ideengeber. Doch wer braucht einen parteiischen Berater, der auf Seiten der Molkereiindustrie steht? Den Bauern bleibt nur, sich zusammenzuschließen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Erzeugergemeinschaften sind geklärt. Genutzt werden müssen sie von den Produzenten.

Kurzfristige Mengensteuerung

Offiziell angekündigt wurde die Bonuszahlung am 28. Dezember, wobei davon auszugehen ist, dass die Milchbauern nicht wesentlich früher über das Angebot informiert wurden. Eine Umfrage des Bundesverbands deutscher Milchviehhalter unter Bauern, die an Campina liefern, zeigte, dass sich über 50 Prozent an dem Bonusprogramm beteiligen wollten. Für Sieta van Keimpema, Vize-Präsidentin des EMB und Vorsitzende des Dutch Dairymen Board (DDB), ein klares Zeichen: „Dass so viele Bauern schon bei zwei Cent mitmachen, zeigt doch: Die Bauern sind dabei, wenn es um ein Marktverantwortungsprogramm geht, das die Mengen entsprechend der Absatzmöglichkeiten steuert.“ Ganz ähnlich interpretiert auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft die Entwicklungen bei Campina. Drei wichtige Punkte leitet der stellvertretende Vorsitzende Ottmar Ilchman aus dem Vorgehen ab: „Erstens ist ein Mengen steuerndes Handeln im Milchmarkt möglich. Zweitens ist die Lage am Milchmarkt offensichtlich so ernst, dass ein solches Handeln notwendig ist. Und drittens zeigt Friesland Campina, dass die Molkereien über die erforderlichen technischen Instrumente verfügen, um Mengen reduzierende Maßnahmen umzusetzen.“

Campina indes bemühte sich schnell, die zeitliche Befristung zu betonen und distanzierte sich von einer dauerhaften Mengenregulierung. Im Jahr 2015 war die Ablieferungsmenge bei der Molkerei um 6,4 Prozent gestiegen. Vor allem zum Jahresende 2015 verzeichnete man einen weiteren Anstieg der Liefermengen, vor allem der niederländischen Betriebe. Hintergrund sind die Bestrebungen des Parlaments zur Einführung einer nationalen Phosphatquote (siehe Kasten).

Durchhalten

Dass so viele Milchbauern Interesse an dem Bonusprogramm äußerten, dürfte auch im Zusammenhang mit der ab Januar geltenden Absenkung des Garantiepreises stehen: gegenüber Dezember pro kg Standardmilch (3,47 % Eiweiß, 4,41 % Fett, 4,51 % Laktose, bei jährlicher Anlieferung von 600.000 kg Milch) um 0,75 Cent/kg. Begründet hat die Molkerei diesen Schritt mit den rückläufigen Preisen für Konsummilch. Auch für die restliche Milchbranche zeichnete der Vorsitzende des Milchindustrieverbands (MIV) Peter Stahl düstere Aussichten. Die Preise am Weltmarkt seien trotz klimabedingter Produktionsrückgänge in Neuseeland und Australien gesunken. Ab 2021 – so der Verbandsvize Hans Holdorf nicht im Kabarett, sondern auf der grünen Woche – könne man sehr optimistisch sein. Die Frage sei indes, wie man bis dahin am Markt bestehen könne. Vielleicht, könnte man dem Funktionär zugute halten, fragte er dies mit Blick auf die Molkereiunternehmen. Vollkommen aus dem Blick verloren haben muss der Mann aber die Milchproduzenten, die schon jetzt keine Spielräume mehr haben. Diese auf das Jahr 2021 zu vertrösten und im nächsten Satz die Erfolge der deutschen Exportorientierung zu loben, dürfte vielen bitter aufstoßen.

Qualität hält ihren Preis

Leider waren die Milchwerke Berchtesgadener Land nicht zu einem Interview bezüglich ihrer Unternehmensstrategie bereit. Das Unternehmen, dessen grüne Milchtüten mit fairen, überdurchschnittlichen Preisen für die Milchbauern werben, zahlt konstant deutlich über 30 Cent an seine Milchbauern aus. Gegenüber den auf Export ausgerichteten Unternehmen wie beispielsweise Campina und dem Deutschen Milchkontor hat man bei den Milchwerken schon frühzeitig auf die Qualität gesetzt. Omega-3-Fettsäuren in Weidemilch, Gentechnikfreiheit und der Erhalt gewachsener, bäuerlicher Strukturen sind offenbar Argumente, die den Verbraucher eng an die Marke binden. Ein ganz ähnliches Bild zeichnet sich derzeit auch im Biobereich ab. Schon seit geraumer Zeit ist die über viele Jahre bestehende Kopplung zwischen konventionellem und Bio-Milchpreis aufgehoben. Im Durchschnitt lag der Preis 2015 über 48 Cent/kg. Die anhaltende Nachfrage und das Werben um neue Biomilcherzeuger scheint auch für das Jahr 2016 nicht zu einem Überangebot an Biomilch zu führen. Davon zumindest gehen die Marktbeobachter bei Bioland aus. Allerdings sind auch die Biomolkereien nicht vor einem Preisverfall gefeit. So manche Molkerei hat dies vorausschauend in ihre Lieferverträge aufgenommen. So zahlt die Upländer Bauernmolkerei für die über die vereinbarte Menge gelieferte Milch im Falle eines sinkenden Absatzes einen reduzierten Preis und führt damit für den Krisenfall einen Staffelpreis ein.

Milchviehhaltung in den Niederlanden

Die niederländischen Milchviehhalter stocken ihre Bestände massiv auf. Viele der zusätzlichen Kühe werden importiert, im Juni allein 3.935 Stück, berichtet das Magazin Elite. In den ersten sieben Monaten des vergangenen Jahres seien über 23.000 Stück Rindvieh importiert worden. Die Milchproduktion stieg durch dieses Betriebswachstum um 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Hintergrund für das Bestreben, möglichst schnell zu wachsen, könnten die Diskussionen um die Einführung einer Phosphatobergrenze sein. Die zuständige Staatssekretärin Sharon Dijksma hat Anfang Juli der Zweiten Kammer des niederländischen Parlaments vorgeschlagen, eine Obergrenze für die Milchbranche bei 84,9 Mio. kg einzuführen. Schon jetzt gibt es diesen Grenzwert als Selbstverpflichtung der Milcherzeuger. Zeitgleich gibt es Bestrebungen der Regierung, die Tierzahlen zu begrenzen. So sollen zukünftig maximal 500 Kühe, 2.000 Sauen, 10.000 Mastschweine, 175.000 Legehennen oder 240.000 Masthähnchen an einem Standort gehalten werden dürfen.