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30.01.2017

Gerorg Janßen, Abl-Bundesgeschäftsführer

Berlin gerockt!

Auf der Bühne am Brandenburger Tor standen die Fahrer von 130 Traktoren gemeinsam mit GEorg Janßen auf der Bühne.

Kommentar

Was für ein bewegendes Bild am Brandenburger Tor: Über 130 Trecker aus dem Bundesgebiet stehen in drei Reihen aufgestellt und dazwischen 18.000 Demonstranten für eine bäuerliche und ökologischere Zukunftslandwirtschaft und gegen die Agrarindustrie. Kein Zweifel: die Bäuerinnen und Bauern zusammen mit der bunten, vielfältigen Zivilgesellschaft haben am 21. Januar Berlin „gerockt“. Bewegte Menschen, die nicht auf dem warmen Sofa davon reden, was man alles machen könnte und müsste, sondern sich im siebten Jahr im Januar auf den Weg machen, mit und ohne Trecker, ein AbL-Bauer aus Westfalen kam gar auf dem Fahrrad nach Berlin. Schnell wird noch im Vorfeld von interessierter Seite der Versuch gestartet, die Demo als Pauschalangriff auf die Landwirtschaft darzustellen. Die Menschen und die Medien haben sich allerdings nicht beirren lassen. Wann immer von Redner/innen auf der Demonstration darauf hingewiesen wird, dass wir faire Preise brauchen, das Höfesterben gestoppt werden muss, konventionelle und biologisch wirtschaftende Höfe in der Praxis bereit sind für mehr Umwelt-, Klima- und Tierschutz, für Solidarität mit Kleinbauern in der ganzen Welt – es trifft auf große Zustimmung und Wertschätzung im Publikum.

Einige Berufskollegen meinen, Dialog wäre wichtiger als Protest. Wir brauchen Dialog und Protest, denn ohne politischen Druck werden wir das Höfesterben nicht stoppen können. Im Dialog sind wir uns mittlerweile über die AbL-Kreise hinaus einig, dass wir in der Landwirtschaft und in der Agrarpolitik nicht so weiter machen können und auch nicht so weiter machen wollen. Selbst Landwirtschaftsminister Schmidt ist bei seinem Kommentar zur Demonstration bei der Einsicht angelangt, dass es nicht so bleiben kann wie es ist. Aber, es reicht auch nicht mehr, grüne Dialog-Bücher oder Tierwohlsiegel vor Pressefotografen hochzuhalten. Konkretes Handeln mit zeitlichen Vorgaben, eine sozial gerechte und klimaschonende Agrarförderpolitik und dafür auch Geld in die Hände nehmen, das ist politisch angesagt – jetzt.

Viele junge Menschen, die einen Hof bewirtschaften bzw. suchen, führen die Demonstration an, singen „Bauern, leistet Widerstand, gegen die Agrarpolitik im Land, schließt Euch fest zusammen“ und fordern u.a. „Bäuerinnen und Bauern brauchen Land.“ Vor unserer Agrarbewegung liegt eine große Herausforderung: Wir müssen noch mehr Berufskollegen davon überzeugen, den Weg in die bäuerliche Zukunftslandwirtschaft mit zu gehen und sich nicht weiter vor den Karren des Wachsen oder Weichen und der Agrarindustrie spannen zu lassen. Wir brauchen ein eigenständiges bäuerliches Gewicht gegen die Molkerei- und Fleischkonzerne.

Gleichzeitig müssen wir die Gesellschaft und die Politik davon überzeugen, dass wir viele kleine, mittlere und größere Höfe brauchen. Diese gehen den bäuerlichen Weg mit, wenn sie ihn auch wirtschaftlich für machbar halten. Wenn wir all das nicht schaffen, kann uns passieren, dass in 10 Jahren nur noch einige konventionelle und Bio- Großbetriebe übrig bleiben und die kleinen und mittleren Höfe das Hoftor zugemacht haben. Gerade aber diese Höfe brauchen wir, um Landwirtschaft und Menschen flächendeckend in lebenswerten ländlichen Regionen zu halten. Also gilt es weiter politischen Druck zu machen, um im Bundestagswahljahr einen klaren Rahmen für den Umbau der Landwirtschaft einzufordern. Eine Treckerfahrerin hat auf ihrem Schild stehen: „Ohne Bauern kriegt keiner was gebacken.“ Es ist auch unsere Verantwortung, dass etwas passiert. Wie hat der Philosoph Sartre geschrieben: „Vielleicht gibt es schönere Zeiten; aber diese ist die unsere.“ Wenn das nicht ein Auftrag ist...