Artikel aus der Bauernstimme

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04.04.2017

Phillip Brändle, Abl-Bundesvorstand und junge AbL

Agrarminister seid mutig!

Phillip Brändle

Kommentar

Es war im Januar diesen Jahres, als ich an einem verschneiten Samstagmorgen die täglichen Stallarbeiten auf dem Hof des Bruders meiner Freundin erledigte. Für drei Monate war er in den Urlaub verschwunden und gemeinsam mit meiner Freundin Regine vertrat ich ihn. Geschmeidig manövrierte ich den Frontlader des Radladers zwischen Dach und Seitenwand des Jungziegenstalles, um die darin stehende Raufe mit Heu zu befüllen – eine Routinearbeit. Doch diesmal verschätze ich mich, ich hob den Frontlader zu weit aus und traktierte das Dach des Stalles. Die Hydraulikschläuche des Frontladers knickten am Übergang zum Anbaugerät ab und das Hydrauliköl ergoss sich über die frische Schneedecke – Scheiße! Wie gut tut es in einer solchen Situation einen Landmaschinenschlosser um die Ecke zu haben, der einen kennt und der den Schaden am Samstagvormittag mal eben repariert. Gleiches gilt für den örtlichen Landhändler. Sein Laden ist zwar nicht nach neusten Marketing-Kriterien durchstrukturiert, aber er hat einen spürbaren Bezug zur Region. Und: Gefühlt hat er jedes Teil in seinem Laden schon mal selbst verbaut. Entsprechend war er für uns ein wichtiger Ratgeber. Mehr noch: Egal welches Produkt, welche Maschine oder welchen Fachmann wir suchten, auch wenn er selbst nicht weiterhelfen konnte, er wusste immer, an wen wir uns wenden konnten. Ich könnte diese Liste an Positivbeispielen für einen lebendigen ländlichen Raum noch um viele Punkte weiterführen: Der handwerklich arbeitende Schlachter um die Ecke, der auch mal einen Ziegenbock verarbeitet. Die örtlichen Kollegen, die uns mit Rat und Tat zur Seite standen ohne dabei auf die Uhr zu schauen. Und nicht zuletzt die ansässigen Familienmitglieder die mit anpackten oder uns ohne zu murren einen Trecker für die „Wir haben Agrarindustrie satt!“ Demonstration ausleihen, auch wenn sie bei den Forderungen der Demo nicht komplett mitgehen konnten – Familie eben. All diese Beispiele zeigen mir, dass bäuerliche Landwirtschaft Sinn macht. Denn sie richtet ihren Blick, neben einzelbetrieblichen Antworten in Bereichen wie Pflanzenbau und Tierhaltung, eben auch aufs Ganze. Sie lässt die soziale Frage im ländlichen Raum nicht außen vor und streitet für den Erhalt von landwirtschaftlichen Betrieben. Ja sogar dafür, dass es wieder mehr werden. Damit leistet sie einen wesentlichen Beitrag zur Stabilität ländlicher Räume, erhält sie lebendig. Auch Politiker geben immer wieder vor, bäuerliche Landwirtschaft und ein lebendiger ländlicher Raum seien ihnen wichtig. Sie initiieren Labels, laden zum Dialog und geben Untersuchungen heraus. Dabei könnten sie längst handeln. Die Umschichtung landwirtschaftlicher Direktzahlungen in Höhe von jetzt 4,5 auf 15 Prozent zur Finanzierung einer gesellschaftlich akzeptierten und zukunftsfähigen Tierhaltung und Pflanzenproduktion, könnte beschlossen werden. Der Aufschlag der Direktzahlungen für die ersten Hektare von jetzt sieben auf 30 Prozent zur Stärkung kleinerer und mittlerer Höfe und damit zur Unterstützung einer vielfältigen ländlichen Struktur ist sofort umsetzbar. Wir Bäuerinnen und Bauern sind bereit für einen ökologischeren Ackerbau und eine artgerechte Tierhaltung. Aber wir brauchen einen klaren finanziellen Rahmen, der allen landwirtschaftlichen Betrieben einen langfristig gangbaren Weg aufzeigt und jungen Menschen auf dem Land Perspektiven bietet. Kurz: Wir Bäuerinnen und Bauern werden unserer Verantwortung auf dem Weg zu einer umweltschonenden, tiergerechten und sozialverträglichen Landwirtschaft gerne gerecht. Auch die Gesellschaft ist bereit. Was es jetzt braucht sind mutige Politiker, die das Richtige tun. Auf der Agrarministerkonferenz Ende März in Hannover haben Sie die Chance zu zeigen, dass es Ihnen ernst ist – Agrarminister seit mutig! P.S.: Wählt „Freie Liste Eickmayer“