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29.02.2016
cw

Milch nur aus Gras rechnet sich

Überfluss stoppen!

Hohes Betriebseinkommen bei nachhaltig effizienter Flächen- und Inputnutzung

Praxiserfahrungen und Studien aus verschiedenen europäischen Ländern zeigen: Milcherzeugung rein aus dem Grundfutter vom Grünland lohnt sich. Rund 70 Bäuerinnen, Bauern, Berater und Wissenschaftler diskutierten am 12. und 13. Februar 2016 auf einer Tagung im baden-württembergischen Grünlandzentrum in Aulendorf die „Wirtschaftlichkeit einer Milchviehhaltung ohne bzw. mit wenig Kraftfutter“. Anlass dazu gab die Fertigstellung einer gleich lautenden Studie von Professor Dr. Onno Poppinga, Kasseler Institut für ländliche Entwicklung e. V., und Dr. Karin Jürgens, Büro für Agrarsoziologie & Landwirtschaft. Mitveranstalter waren außerdem die internationale Forschungsgesellschaft Hofgut Breitwiesen e. V. und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Krisenfest tragfähig

Die Ergebnisse der Auswertung von 52 ökologisch wirtschaftenden Betrieben zeigten ein deutlich höheres jährliches Betriebseinkommen (Gewinn plus Personalaufwand) aus der Milchviehhaltung sowohl im Vergleich zu den konventionellen deutschen Betrieben im EU Dairy Farms Report als auch zu den Ökofutterbaubetrieben des deutschen Testbetriebsnetzwerkes: je Kuh mit 1.064 Euro um 38 Prozent (konv. EU: 663 Euro) bzw. um 13 Prozent (öko D: 932 Euro) höher; je Kilogramm erzeugter Milch mit 21 Cent um 58 Prozent (konv. EU: 0,09 Cent) bzw. um 24 Prozent (öko D: 0,16 Cent) höher. Die systembedingten Gründe dafür: geringere Kosten für Zukauffutter und Futterkonservierung, längere Nutzung und bessere Lebensleistungen der Kühe und eine gute Milchleistung aus gutem Grundfutter. Obwohl es sich bei den Herden der befragten Betriebe um vergleichsweise kleine handelt, vermittelten die Aussagen der teilnehmenden Landwirte, dass sie über die Jahre ein krisenfestes und wirtschaftlich tragfähiges System geschaffen haben.

Diese empirisch ermittelten Ergebnisse bestätigten sich durch weitere Modellrechnungen und Systemvergleiche genauso wie durch die langjährigen Erfahrungen verschiedener Praktiker mit ihren kraftfutterfreien Milchviehherden.

Weide an erster Stelle

„Ich will Milch aus Grundfutter erzeugen“, fasste Paul Ertl aus Österreich die grundlegend andere Herangehensweise gegenüber der heute üblichen (für Hochleistungstiere den Futterbedarf ermitteln und diesen irgendwie decken) zusammen: „ Dafür muss ich Grünland und Futterbau auf den eigenen Flächen optimal nutzen und ich brauche die passenden Tiere, die damit umgehen können.“ In diesem System setzen sich als sehr gute Kühe die durch, die sich in den ersten drei, vier Laktationen stetig in der Leistung steigern, um dann über mehrere Laktationen ein hohes Niveau von 6.000 bis 7.000 kg Milch stabil zu halten. Innerhalb des Systems „Milch aus Grundfutter“ steht bei der Flächennutzung die Weide an erster Stelle. Die meisten Betriebe setzen auf saisonale Vollweide mit Stallzufütterung, z. T. kombiniert mit einer reinen Heufütterung im Winter. Voraussetzung dafür sind ausreichend arrondierte Flächen sowie die Möglichkeit zur Heutrocknung. Alfred Biggel aus dem Allgäu macht außerdem Grascobs in der nahe gelegenen Trocknungsanlage. Diese Konservierungsmethode schätzt er als flexible, wetterunabhängigere Möglichkeit des Weide- und Grünlandmanagements. Insgesamt ist er von dem System in vielerlei Hinsicht überzeugt: „Das ist immer auch ein Beitrag zur Milchmengenbegrenzung, weil so gebunden an die Fläche erzeugt wird.“

Erfolg mal anders definiert

Ein Netzwerk französischer Landwirte wertet neben ökonomischen Daten mit ebenfalls hohen Betriebsergebnissen auch die Effizienz ihrer Milcherzeugung aus. Die konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betriebe des Reseau Agriculture Durable (RAD) haben sich mit dem Ziel zusammengeschlossen, sich jeweils betriebsindividuell möglichst nachhaltig aufzustellen. Ihre Daten vergleichen sie mit denen des nationalen Testbetriebsnetzes und geben jährliche Auswertungen dazu heraus, bei denen die RAD-Bauern überdurchschnittlich gut abschneiden. Als Erfolgsparameter wird z. B. der reale Flächenbedarf berechnet. Dieser liegt bei dem bretonischen Bauern Joel Restif bei 117 Prozent; zusätzlich zu seiner eigenen landwirtschaftlichen Nutzfläche von 47 Hektar nutzt er durch Betriebsmittelzukauf weitere 17 Prozent davon außerhalb mit. Ein anderes Auswertungsverfahren, wie es Ertl für seine Promotion an der Universität für Bodenkultur in Wien verwendet, zieht die Bilanz aus eingesetztem, potentiell auch für Menschen essbarem Futter und den entstehenden tierischen Produkten – die Lebensmittelnettoeffizienz. Allein Rindfleisch oder Milch aus Raufutter, welches nur Wiederkäuer verwerten können, erreicht dabei einen Lebensmittel„gewinn“, andere Veredelungsverfahren verursachen stets Lebensmittel„verluste“.