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01.11.2010
Unabhängige Bauernstimme, Christiane Hinck

Zusammenhalt für einen fairen Krabbenpreis

Von Esbjerg bis Stellendam streiken die Krabbenfischer und wehren sich gegen die Großhändler

Früher erfuhren wir die Preise am Anfang, heute am Ende der Woche, wenn die Krabben gefangen sind“, so Dirk Sander, Krabbenfischer aus dem niedersächsischen Dornum. Sind in deutschen Gefilden nur wenige Krabben zu fischen, fährt er schon einmal bis zur dänischen Küste und ist dann bis zu zehn Tagen unterwegs. Mitte September aber blieb er für knapp anderthalb Wochen an Land – genau wie knapp 180 deutsche Berufskollegen. Auch in den Niederlanden und Dänemark blieben viele Krabbenkutter im Hafen. Das gemeinsame Anliegen: Ein kostendeckender Preis.

Konzentration des Handels

Die niedrigen Krabbenpreise sind eine Folgeder Konzentration auf Seiten des Handels: 90 Prozent des europäischen Krabben-Marktes werden von zwei niederländischen Großhändlern, Heiploeg und Puul, kontrolliert. In den Monaten vor dem Streik bewegte sich der Preis für das Kilogramm ungeschälte Krabben im Schnitt um 3 Euro, berichtet Sander. In den Niederlanden sei der Preis bei Auktionen bereits auf 1,60 Euro herunter gehandelt worden, so Dr. Peter Breckling, Geschäftsführer der Vereinigungder deutschen Kutter- und Küstenfischer mit Sitz in Hamburg.

Klage wegen Kartellbildung

Jahrelang waren die Krabben-Preise stabil, weil sich Erzeugergemeinschaften aus Deutschland, den Niederlanden und Dänemark zusammengetan hatten, um mit dem Handel Preis- und Mengenabsprachen zu treffen. Sowohl das deutsche als auch das niederländische Kartellamt beschäftigten sich mit den Preis- und Mengenabsprachen der Krabbenfischer. Während ein Verfahren in Deutschland eingestellt wurde verhängte das niederländische Kartellamt wegen einer Kartellsituation ein Bußgeld. Dagegen legten die Fischer Widerspruch ein. Die Begründung: Den Erzeugergemeinschaften bleibt aufgrund der marktbeherrschenden Händler neben Absprachen kaum eine Möglichkeit, um einen angemessenen Preis zu erzielen. Dieser Argumentation folgte das Kartellamt teilweise und reduzierte das Bußgeld. Auf dem Weg durch die Instanzen ist das Verfahren mittlerweile beim obersten niederländischen Verwaltungsgericht anhängig.

Ein Urteil steht bislangnoch aus. Ausdrücklich erlaubt ist, dass nationale Erzeugergemeinschaften für ihre Mitglieder marktregulierende Maßnahmen wie Mindestpreise oder Fangmengen festlegen. Dazu müssten sie Informationen vom Handel, etwa darüber, wie aufnahmefähig der Markt ist, einholen. „Sie dürfen sichdazu nur nicht mit ihrem Großhändler zusammensetzen, um sich zu einigen“, so Breckling. Dies wurde den Krabbenfischern vorgeworfen. Wichtig ist, dass keine Wettbewerbsverzerrung oder systematische Benachteiligung von Wettbewerbern entsteht. Inzwischen hat sich auf Grundlage einer neuen EU-Verordnung eine Vereinigung grenzüberschreitender Erzeugergemeinschaften gebildet. In ihr darf nur ein Teil der Krabbenfischer vereinigt sein. Somit ist die Kooperation, die damals ein Problem darstellte, heute möglich geworden.

Warten auf den nächsten Wochenpreis

Im Rahmen des Streiks hatten laut Sander niederländische Fischer mit Heiploeg eine Preiserhöhung um 50 Cent pro Kilo ausgehandelt. Dieser hat die Erhöhung aber zwei Tage später zurückgenommen. „Es ist schlecht, Verträge mit dem holländischen Handel zu machen“, sagt Sander und erläutert, dieser habe diverse Klauseln eingebaut, um seine Preiszusagen nicht halten zu müssen. Seiner Meinung nach würden statt Verträgen, die hierzulande nur teilweise existieren, Auktionen nach niederländischem Vorbild für mehr Transparenz auf dem Markt sorgen. „Zur Zeit liegt der Preis wieder am untersten Rand, zwischen 2,60 und 2,80 Euro“, so Niels Friedrichsen, Vorsitzender der Landesvereinigung der Fischer Schleswig-Holstein. Kurzfristige Erfolgedes Streiks erwartet keiner der Fischer. Sander ist trotzdem zuversichtlich: „Cirka 100 t frische Krabben pro Woche braucht der Handel.“ Die großenFischer aus Südholland könnten den Markt langfristig nicht beschicken. Breckling: „Ich kann nur hoffen, dass die Fischer weiter ein geschlossenes Verhalten zeigen.“ Ob weitere Streiks folgen, sei vom zukünftigen Wochenpreisdes Handels abhängig. Da Krabbenfischer anders als Milcherzeuger keine laufende Produktion haben, können sie den Fang jederzeit einstellen. Zwar sparendie Fischer so Sprit- und Arbeitskosten, doch bringt sie der Streik um ihr Einkommen. Niels Friedrichsen, Vorsitzender der Landesvereinigung der Fischer Schleswig-Holstein: „Die Krabbe ist der einzige ,Fisch’ ohne Mengenregulierung.“Wie Friedrichsen berichtet, ist eine nicht unbedeutende Zahl größerer Schiffe auf Krabben umgestiegen, seit es Fangquoten auf Fisch gibt. Breckling: „Hauptsächlich große Schiffe, die den Rest des Jahres etwas anderes fischen, steigen dann zum Teil auf Krabben um.“ Ein kostendeckender Kilopreis für ungeschälte Krabben, so Breckling, müsste im Jahresschnitt bei 3 Euro liegen. So seien auch von Zeit zu Zeit notwendige Investitionen möglich. Sander kommt nach seinen Berechnungen auf 4 Euro. Erreichbar wäre ein kostendeckender Preis über eine Mengenregulierung, die sich noch schwierig gestaltet, weil nicht alle Fischer einer Erzeugergemeinschaft angehören, die sich selbst eine Wochen-Fangquote auferlegt haben. Im Herbst kommt es zusätzlich zu besonders niedrigen Preisen, da dann naturgemäß besonders viele Krabben gefischt werden. Breckling: „Hauptsächlich große Schiffe, die den Rest des Jahres etwas anderes fischen, steigen dann zum Teil auf Krabben um.“