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26.05.2015
Anika Berner, Eberhard Prunzel-Ulrich, AbL-Projekt Eiweißfuttermittel aus Niede

Zurück in die Zukunft

Leguminosen kommen zurück auf die Äcker

Ackerbauer Siegfried Herbst aus Gelliehausen in Südniedersachsen kniet mit seinem Taschenmesser und puhlt dicke braune Saatkörner aus der Erde. „Gute Bodengare auf dem zwei Hektar großen Lösslehmstück, als ich mit meiner Drei-Meter-Drille Ende Februar morgens auf Frost die Saat auf sechs bis acht Zentimeter versenkte“, rekapituliert er die Geschichte, „noch eine Spritzung und nun ist ein guter Feldaufgang zu sehen.“ So wie Herbst geht es hoffentlich vielen Ackerbohnenanbauern quer durch Deutschland. Wie viele das genau sind, kann erst nach Auswertung der abgegebenen Agraranträge Ende Juni festgestellt werden, aber es sind wohl mehr als letztes Jahr. Konventionell wirtschaftende Betriebsleiter griffen teilweise auf ökologisch vermehrtes Saatgut zurück, da das „normale“ bereits ausverkauft war. Bei Futtererbsen war die Nachfrage nach Saatgut offenbar nicht ganz so viel größer als in anderen Jahren. Dieses Stimmungsbild ergab eine „Kurzumfrage“ bei Saatgutherstellern und -händlern. Die Greeningauflagen führen dazu, dass der ein oder andere Neuling gerade die nicht ganz einfache Ackerbohne zumindest einmal ausprobiert. Schon bei der Aussaat entscheidet sich viel im Hinblick auf die Frage, wie der individuelle Versuch dieses Jahr ausgeht. Die Saat einfach „rein zu schmieren“, weil beispielsweise das Saatgut zur richtigen Zeit fehlte, rächt sich im Feldaufgang, in der Konkurrenz zum Beikraut und am Ende im Ertrag. Bleibt zu hoffen, dass es bei vielen Bauern und Bäuerinnen jetzt auf dem Acker so aussieht wie bei Siegfried Herbst, der sich nach 25 Jahren „Anbaupause“ einen Neuanfang mit der Ackerbohne vorstellen kann, wenn es weiter so gut läuft und er seine Bohne am Ende zu guten Konditionen vermarkten kann.

Dran bleiben!

Neben den Aktivitäten der Länderprojekte soll es ab Herbst 2015 auch ein Bundesprojekt im Bereich Ackerbohne/Erbse geben. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) möchte die Rahmenbedingungen für den Leguminosenanbau in Deutschland verbessern und entwickelte dazu die so genannte „Eiweißpflanzenstrategie“, in der bereits Netzwerke für Soja und Lupinen existieren. Ziel ist, Wettbewerbsnachteile heimischer Eiweißpflanzen auszugleichen, Forschungslücken zu schließen und erforderliche Maßnahmen zur Umsetzung in die Praxis darzustellen. Damit dies wirklich unter Beteiligung der Praxis geschieht, ist es dem AbL-Projekt Eiweißfutter aus Niedersachsen (EFN) sehr wichtig, mit am Tisch zu sitzen und die gesammelten Erfahrungen während der Projektlaufzeit bzw. das Wissen der Praktiker durch enge Bindung an diese einzubringen! Das erfordert zum einen noch politischen Druck, um diesen Anspruch durchzusetzen, gleichzeitig erfordert es aber auch ein noch stärkeres Engagement erfahrener und interessierter Bauern und Bäuerinnen, um eine fachlich fundierte praxisgerechte Zuarbeit über AbL-Gremien oder Veranstaltungen zu gewährleisten. Auftakt könnte hier vielleicht die im Juni in Niedersachsen stattfindende Reihe von EFN-Feldtagen sein. Hierbei geht es je nach Schwerpunkt auf den Demobetrieben um den Anbau der heimischen Eiweißfuttermittel oder deren Einsatz in der Rinder-, Schweine- und Geflügelfütterung. Mehr dazu schon bald auf der Homepage: www.eiweissfutter-aus-niedersachsen.de. Auf der findet sich auch die bereits vorgestellte digitale Warenbörse. Hier können Anbauer und Verfütterer von heimischem Eiweißfutter Ware handeln. Noch wichtiger wäre es aber zur Zeit, die erwarteten Erntemengen einzustellen, damit wir die abnehmende Hand darauf vorbereiten können. Die Vermarktung und die Bereitschaft der Futtermittelhersteller, Leguminosen zu angemessenen Preisen in ihre Verarbeitungsprozesse aufzunehmen, bleibt ein entscheidender Faktor bei der Frage, ob der Weg der Leguminosen zurück auf die Äcker langfristig gelingt oder nicht. Aber nur wenn er gelingt, lassen sich die gesellschaftlichen Ansprüche an den Erhalt der Biodiversität und die bäuerlichen Grundsätze einer boden- und umweltschonenden Landwirtschaft auch langfristig umsetzen.