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12.02.2013
Christoph Dahlmann Vom Acker in den Futtertrog

Leguminosen – Modellregionen sollen uns retten!

Gleichzeitig behindert BMELV Maßnahmen zur Ausdehnung in der Fläche

Die häufig erwähnte, ja für viele Vertreter der Landwirtschaft und ihrer vor- und nachgelagerten Bereiche eher als Drohung verstandene Eiweißpflanzenstrategie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, BMELV, bahnt sich ihren Weg in die Praxis. Mit Veröffentlichung im Bundesanzeiger vom 12. Dezember 2012 ist es nun amtlich. Die Bekanntmachung für die „Durchführung modellhafter Demonstrationsnetzwerke sowie von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Ausweitung des Soja- und Lupinenanbaus und deren Verwertungsmöglichkeiten“ ist raus. Die Ausschreibung für Ackerbohne und Erbse ist für diesen März geplant.Es war ein langer, steiniger Weg bis zu dieser Veröffentlichung. Angefangen mit einem extra eingerichteten Fachforum Leguminosen der in 2010 gegründeten Agrarforschungsallianz DAFA, über eine Fachtagung im Sommer 2011 in Braunschweig mit verheißungsvollen Ansagen, dass die Eiweißpflanzenstrategie im Frühjahr/ Sommer 2012 den Weg in die Praxis finden würde. Es folgte statt Verkündigung eine weitere Veranstaltung in Berlin, um noch mal die inhaltliche Substanz der Leguminosenbefürworter zu testen. Diese sehr gut besuchte Veranstaltung, auf der unter anderem der ehemalige AbL-Bundesvorsitzende Graefe zu Baringdorf vehement für eine agrarpolitische Veränderung mit den Leguminosen als zentralem Element stritt, zeigte, dass Substanz vorhanden war. Das Ministerium konnte nicht mehr zurück und lotete durch ein weiteres Statusseminar zur Eiweißpflanzenstrategie im Oktober 2012 die Bereitschaft der Bundesländer aus, sich an dieser finanziell zu beteiligen. Nun endlich die Bekanntmachung der Ausschreibung im Dezember letzten Jahres. Für Alterfahrene war dieser Ablauf möglicherweise ein bekanntes Procedere, für Menschen mit Tatendrang wirkte es dann wie die Explosion eines aufgeblähten Hülsenfrüchtchens.

 

Modellhafte Demonstrationsnetzwerke

Aber was bedeutet diese Ausschreibung nun und was kann man von ihr erwarten? Gestartet wird mit den modellhaften Demonstrationsvorhaben für Soja und Lupine. Die Schwerpunkte werden klimatisch und bodenbedingt für Soja im Süden und für die Lupine im Norden der Republik sein. Bundesländer, in denen diese Arten auch anbauwürdig sind, oder wo es die berechtigte Hoffnung gibt, dass sie es werden könnten, werden aber nicht außen vor sein, so dass auch hier Betriebe teilnehmen können. Momentan ist alles noch in der Planungs- und Antragsphase. Für Bauern und Bäuerinnen und Akteure der Weiterverarbeitung, die noch nicht organisiert sind, macht es sicherlich Sinn sich nach den jeweiligen Ansprechpartnern bei den Landwirtschaftskammern zu erkundigen, oder im Projektbüro der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft nachzufragen. Aber was kann die Praxis von diesen modellhaften Demonstrationsnetzwerken erwarten? Für den interessierten Leguminosenanbauer kann es eine fachliche Unterstützung bedeuten, denn angedacht ist es, die Beratungsaktivitäten für die Körnerleguminosen zu stärken. Die in den letzten Jahren schwach aufgestellten Landessortenversuche im Körnerleguminosenbereich könnten ein wenig üppiger ausfallen, und den ein oder anderen Feldtag mehr, mit der speziellen Thematik zu den jeweiligen Körnerleguminosen, wird es auch geben. Was die gesamte Wertschöpfungskette anbelangt, darf man gespannt sein, inwieweit Unternehmen der Weiterverarbeitung mit eingebunden werden. Denn eins wird mehr als deutlich, die Körnerleguminosen müssen sich am Markt behaupten. Aus der Agrarpolitik des BMELV bezüglich der EU-Agrarreform werden sie mutmaßlicherweise eher Gegenwind ernten.

 

Das gespaltene BMELV

Dass Frau Aigner den AbL-Vorschlag 30 Prozent der Direktzahlungen an den Anbau von mindestens 20 Prozent Leguminosen/-Gemenge und maximal 50 Prozent einer Art in der Fruchtfolge zu binden ablehnt, stößt nicht auf größere Verwunderung. Dass aber das BMELV sich gegen ein Mindestmaß an Greening stellt, das heißt unter anderem bei den ökologischen Vorrangflächen (wo die Leguminosen als Pflanzen diskutiert werden, die kein N-Dünger brauchen und keine Pflanzenschutzmittelmaßnahme stattfindet), statt den sieben Prozent des Kommissionsvorschlags nur 3,5 Prozent fordert, ist möglicherweise politischer Alltag, aber im Grunde nichts anderes als eine Frechheit. Eiweißpflanzenstrategien vor laufenden Kameras ausrufen und die mögliche Ausdehnung in der Fläche bei agrarpolitischen Entscheidungen verhindern, wirkt nun alles andere als schlüssig. Aber selbst darüber kann man sich schon fast nicht mehr wundern, verärgern sollte es einen schon noch. Der nächste Schritt, aus der Verärgerung etwas Produktives zu machen, ist das Einmischen. Noch ist es nicht zu spät! Ihre Europaabgeordnete oder ihr Europaabgeordneter freut sich bestimmt über einen Besuch.

Die Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit, der Biodiversität und das Klima werden es Ihnen danken. Hoch lebe die Königin des Ackerbaus!