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29.11.2012
Alexander Heubuch, junge AbL

Der bäuerliche Weg als weltweites Netz

Internationale Zusammenarbeit im Rahmen von La Via Campesina

La Via Campesina (zu deutsch „der bäuerliche Weg“) ist, wie der Name schon erahnen lässt, eine Organisation, die bäuerliche Interessen und eine bäuerlich geprägte Landwirtschaft vertritt. Sie wurde 1993 von 46 Vertretern aus unterschiedlichen Teilen der Welt in Mons in Belgien gegründet. Beteiligt waren bestehende regionale Organisationen wie die Landlosenbewegung MST aus Südamerika und ASOCODE für Zentralamerika, die Karibik und Nordamerika, Regionen, in denen La Via Campesina auch heute noch besonders stark aufgestellt ist, sowie die Bauernbewegung der Philippinen (KMP) und die Europäische Landwirte Koordination (CPE) für Westeuropa. Mit heute rund 150 Mitgliedsorganisationen aus 70 Ländern ist La Via Campesina eine in weiten Teilen der Welt vertretene basis­demokratische Massenbewegung, die sich aus den rund 200 Millionen BäuerInnen, LandarbeiterInnen, Landfrauen, Landlosen, Landjugend und Indigenen aus den nationalen und regionalen Organisationen bildet. Daraus ergibt sich eine beeindruckende Vielfalt an Menschen, Kulturen, Sprachen und Formen der Landwirtschaft, die einmalig sein dürfte.

 

Ernährungssouveränität als Ziel

Trotz dieser Fülle von Unterschieden vereint alle diese Menschen eine grundlegende Idee, welche es zu verteidigen oder wieder zu erlangen gilt: Die Ernährungssouveränität. Dieser auf der Welternährungskonferenz 1996 im wesentlichen von La Via Campesina geprägte Begriff bezeichnet das Recht der agrar- und ernährungspolitischen Selbstbestimmung von Ländern, Regionen und Volksgruppen und ist als politisches Konzept zu verstehen. Er beschreibt einen Zustand, in dem Lebensmittel regional durch angepasste Formen der Landwirtschaft so produziert werden, dass einerseits die Versorgung der Bevölkerung vor Ort sicher gestellt ist und andererseits die natürlichen Ressourcen nicht ausgebeutet werden. Welche Auswirkungen der Verlust der Ernährungssouveränität und die damit verbundene Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten nach sich ziehen kann, haben die Food-Riots (Aufstände wegen Nahrungsmittelknappheit) in Mittel- und Südamerika und der Karibik in den Jahren 2007 und 2008 eindrucksvoll bewiesen. Natürlich steht dieses Modell dem einer globalisierten, durch industrielle Akteure geprägten Landwirtschaft diametral entgegen, was mächtige Gegenspieler auf den Plan ruft.

 

Vernetzte Arbeitsweise

Um diesen Paroli bieten zu können, müssen die Aktivitäten und die Arbeit, die in den Regionen von den Mitgliedsorganisationen geleistet wird, koordiniert und der Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen diesen gefördert werden. Dies geschieht durch das International Coordinating Committee (Internationales koordinierendes Komitee), kurz ICC, bestehend aus je einer Frau und einem Mann gewählt für jede der neun Regionen. In Europa ist dabei die Europäische Koordination von La Via Campesina, kurz ECVC, Ansprechpartner für die derzeit 27 europäischen Mitgliedsorganisationen, zu denen auch die AbL zählt. Unterstützt wird diese Arbeit durch das internationale Sekretariat, welches sich derzeit in Jakarta, Indonesien, befindet. Dieses ist auch mit der Organisation der alle vier Jahre stattfindenden Internationalen Konferenz von La Via Campesina betraut, von der die nächste vom 4. bis 14. Juni 2013 in Jakarta stattfinden wird. Dementsprechend sind die Vorbereitungen bereits in vollem Gange: Ende September fand zum Beispiel ein Treffen des ICC in Mexico City statt. Diesem vorweg ging ein Treffen der JugendvertreterInnen aus den Regionen.

Auf dem Programm stand der Erfahrungsaustausch und die Vorbereitungen für das internationale Jugendtreffen, welches im Rahmen der Internationalen Konferenz ebenfalls im Juni kommenden Jahres in Jakarta stattfinden wird. Dafür wurden Arbeitspakete geschnürt, die es nun in den Regionen zu erledigen gilt. Dabei zeigt sich, dass, so unterschiedlich die Bedingungen in den Regionen auch sein mögen, die Probleme überall dieselben sind: Landgrabbing bzw. der erschwerte Zugang zu Land, gerade für junge Menschen, die voranschreitende Globalisierung und der durch subventionierte Überproduktion getriebene Preisdruck, der lokale, bäuerliche Strukturen zerstört. Gefahren sind auch die zunehmende Kommerzialisierung und Patentierung von Pflanzen und Saatgut, die Ausbreitung der GVOs, aber auch die Veränderung des Weltklimas, was sich gerade in den ohnehin schon durch Dürren und große Armut geprägten trockenen Gebieten Afrikas, Latein- und Südamerikas besonders negativ auswirkt.

 

Stark im Bündnis

Der Einzelne steht diesen Problemen in der Regel machtlos gegenüber, doch in einem großem Bündnis, wie es La Via Campesina ist, kann sich Gehör verschafft werden: Es ist überaus beeindruckend, wenn mehrere 10.000 Menschen dem Aufruf der Organisation folgen und ganze Straßenzüge füllen, wie zum Beispiel beim „Global Action Day“ oder dem „March against the Multinationals“ anlässlich der Rio+20 Konferenz der UN im Juni diesen Jahres in Rio de Janeiro.

Doch natürlich ist La Via Campesina nicht nur auf der Straße präsent, sondern auch dort, wo letztlich die Entscheidungen getroffen werden. Durch die breite Basis und die globalen Aktivitäten ist die Organisation weltweit anerkannt und wird von zahlreichen Regierungen und Parlamenten sowie wichtigen internationalen Organisationen wie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der UN gehört.

Wer nun Lust auf mehr bekommen hat, für den bieten zum Beispiel das vom ECVC organisierte Seminar zum Thema „Zugang zu Land“ Mitte Dezember oder das Jugendtraining im Februar in Budapest die Möglichkeit, sich weiter zu informieren oder aktiv einzubringen. Infos dazu gibt’s entweder über die junge AbL (junge-abl@abl-ev.de); von mir, oder direkt bei Annelies Schorpion vom ECVC (a.schorpion@eurovia.org).