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27.09.2017
cw

Gekündigt beim DMK – was nun?

Dem DMK den Rücken zugekehrt über neue Perspektiven nachdenken

Infoveranstaltungen in Norddeutschland zeigten alternative Wege zur Milchvermarktung auf

Von „heilsamer Unruhe“ sprach Ottmar Ilchmann, Milchbauer in Ostfriesland, in Bezug auf die Kündigungswelle von Milcherzeugern beim Deutschen Milchkontor (DMK). Als eines der größten Molkereiunternehmen Deutschlands musste das DMK zuletzt rund 1.100 Kündigungen verzeichnen, damit würden in den kommenden zwei Jahren etwa 1,7 Milliarden Kilogramm Milch fehlen. In der Konsequenz bedeutet das sogar Werksschließungen. Ilchmann, der in Niedersachsen Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ist, betonte: „Es erfordert Mut, den Liefervertrag zu kündigen, in einer Region, in der es kaum Alternativen zum DMK gibt. Jeder Kollege sollte sich über diese mutigen Schritte freuen, denn nur klare Ansagen zur Unzufriedenheit geben Anstoß für irgendeine Bewegung bei der Gestaltung der Lieferbeziehungen in diesem Unternehmen, was sich gerne als Genossenschaft präsentiert.“

Markt neu organisieren

Um auf mögliche alternative Vermarktungswege hinzuweisen und die Chancen gemeinschaftlich gebündelter und vermarkteter Milchmengen herauszustellen, hatten die Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board, die AbL und der Bundesverband Deutscher Milchbauern zu vier Infoveranstaltungen in Niedersachsen, dem größten Einzugsgebiet des DMK, eingeladen. Einen intensiven Einstieg in die Marktzusammenhänge und die Stellung der Milcherzeuger bot jeweils Dr. Karin Jürgens vom Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft mit der Vorstellung ihrer Analyse Markt Review Milch zur vergangenen Milchpreiskrise 2015/2016. Anschließend erklärte Peter Guhl, Milchbauer aus Mecklenburg-Vorpommern und Vorsitzender der MEG Milch Board, die entstandenen Strukturen zur koordinierten Bündelung von Milchmengen. So kümmert sich das Milch Board als übergeordnete Dachorganisation ohne eigene Vermarktungstätigkeit darum, durch Information und Beratung der Milcherzeuger und politische Interessenvertretung die Bedingungen für die Milchvermarktung verbessern. Studien wie die Milch Markt Review helfen die Forderungen zu untermauern. Vierteljährlich werden zudem die Kosten der Milcherzeugung berechnet und als Milch-Marker-Index dargestellt, der als Grundlage für Preisverhandlungen dienen kann.

Nord- und Bayern-MEG stellen parallel dazu Dachorganisationen für aktiv vermarktende lokale, nach dem Agrarmarktstrukturgesetz anerkannte MEGs dar. Sie dienen dem Austausch und der gemeinsamen Vertragsverhandlung.

Milchverkauf neu denken

„Warum sollten die Molkereien von sich aus aus ihrer Komfortzone rauskommen?“, gibt Guhl zu bedenken. „Die Milcherzeuger tragen das Marktrisiko bisher alleine. Deshalb brauchen wir gesetzgeberische Unterstützung, damit wir zu einer vertragsgebundenen Milchproduktion kommen, bei der die Signale vom Markt direkt zu uns durchdringen und wir mit Mengenregulierungen reagieren können.“

Einer der teilnehmenden Milchbauern drückte seine Not und seine Zweifel aus: „Wenn es keine Alternative zum DMK in meiner Region gibt, dann kann es doch selbst mit einer Milcherzeugergemeinschaft passieren, dass ich doch wieder an das DMK verkaufen muss.“ „Stimmt“, pflichtete ihm Guhl bei, „aber der Unterschied besteht bei der gemeinschaftlichen Vermarktung dann in der Verhandlung über Laufzeit und Preis für die angebotene Milchmenge, bevor ein Vertrag abgeschlossen und eine neue Lieferbeziehung eingegangen wird.“ Deutlich wurde: Es ist wichtig, sich zusammenzuschließen, aktiv zu werden und die Geschicke der Milchvermarktung selbst wieder stärker in die Hände zu nehmen. Auch wenn das ein Mehraufwand ist – nur die Milchbäuerinnen und -bauern werden für ihre Mehrerlöse kämpfen können. cw