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31.05.2017
Lena Jacobi, junge AbL

Der Bauer als Künstler

Landwirtschaftsthemen haben Tradition auf der documenta: Die letzte Kuh und der letzte Bauer unter der Guillotine, Aktion von AbL und Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) 1987 Bild: Jacobi

100 Tage Krisen kontern auf der documenta 14

In diesem Sommer findet in Kassel wieder die weltweit bedeutendste Reihe von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst statt – die documenta. Unter dem Titel „Von Athen lernen“ arbeiten internationale Künstler_innen an Werken, die während 100 Tagen präsentiert werden. Der Titel verweist nicht nur auf die Wirtschafts-, sondern auch auf die Flüchtlingskrise und auf Migration.

Wir möchten das Thema der diesjährigen documenta aufgreifen und am krisenKONTERKIOSK die nahe Verknüpfung zu unseren agrarpolitischen Forderungen deutlich machen.

Griechenland in der Krise: Viele, vor allem junge Menschen, fliehen aus der Großstadt zurück auf das Land. Nach jahrzehntelanger Landflucht treibt die Perspektivlosigkeit in der Stadt die Menschen zurück in die Dörfer. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft bietet eine Chance, sich unabhängig zu machen – unabhängig von Weltwirtschaft und Krise. Auch hierzulande werden Erzeuger_innen erfinderisch und bauen kleinstrukturierte, regionale Wirtschaftskreisläufe auf, um sich autonome Handlungsspielräume zu schaffen, um unabhängig von schlechten Erzeugerpreisen und Konzernmacht zu werden und ein selbstbestimmtes Verständnis von Lebensmittelqualität und -wertschätzung entwickeln zu können. Auf diese Weise lassen sich auch in Zeiten von Ernährungs- und Gesellschaftskrise Existenzen schaffen, die mehr als nur der Überlebensgrundlage dienen. Diese ermöglichen gleichberechtigte Partizipation und sollen bei der Transformation weg von einem industriellen Ernährungssystem hin zu Ernährungssouveränität helfen. Nicht zuletzt führt die industrielle Erzeugung von Lebensmitteln in Europa zu Krisen im globalen Süden. Wer zahlt den hohen Preis für den Konsum des globalen Nordens? Wie hängt Landwirtschaft mit Flucht und Migration zusammen? Diese Fragen wollen wir mit foodoctopia thematisieren und diskutieren.

Was hat der Bauer mit Kunst zu tun? Wir möchten zeigen: Bäuerliche Landwirtschaft ist Kunst! Bäuerinnen und Bauern erhalten durch eine vielfältige und nachhaltige Bewirtschaftung unsere Kulturlandschaft und verarbeiten Rohstoffe mit Handwerkskunst zu hochwertigen Lebensmitteln. Wie Joseph Beuys mal sagte: „Wenn ein Mensch als Bauer etwas Wahrhaftes nachweisen, wenn er ein lebenswichtiges Produkt aus der Erde entwickeln kann, dann muss man ihn doch als ein wirklich schöpferisches Wesen auf diesem Felde bezeichnen. Und insofern muss man ihn doch als Künstler akzeptieren."

Doch nicht nur das Handwerk und die Bewirtschaftung von Ackerland lässt den Bauern als Künstler erscheinen. In diesen Zeiten haben die Bäuerinnen und Bauern es auch mit Überlebenskunst zu tun. Bäuerliche Landwirtschaft ist ein schmaler Grat zwischen Chance und Kampf. Deshalb wollen wir ab Juni 100 Tage lang Krisen kontern und mit Bäuerinnen und Bauern, Künstler_innen, Initiativen und allen Interessierten nach Möglichkeiten einer sozial und ökologisch gerechten, zukunftsfähigen Landwirtschaft suchen. Am krisenKONTERKIOSK wird es nicht nur Ausstellungen, Diskussionen, Vorträge und Interaktion geben, sondern auch regional und ökologisch erzeugte Produkte, einen Selbsternte-Teegarten, Pflanzsäulen und Hochbeete.