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23.10.2016
Martin Schulz, AbL-Bundesvorsitzender

Tierhaltungswende anpacken!

Martin Schulz, Neulandbauer und Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft

Kommentar

Die Meinungsforscher, die vor Jahren prophezeiten, das Thema landwirtschaftliche Tierhaltung werde ein Dauerbrenner in der gesellschaftlichen Debatte, haben Recht behalten. Die Geflügel- und Schweinehalter fühlen sich angegriffen, haben sie doch nur das gemacht, was ihnen von der Wissenschaft, der Politik und der Beratung empfohlen wurde: quantitatives Wachstum für den Exportmarkt unter Kostenführerschaft. Das Tierwohl spielte bei der Entwicklung eine sehr untergeordnete Rolle. Das hat sich in den letzten Jahren sehr stark verändert, und für die Gesellschaft ist die Art der Tierhaltung immer bedeutender geworden. Die Ställe müssen also den Bedürfnissen der Tiere angepasst werden, wenn die Landwirtschaft nicht dauerhaft am Pranger stehen will.

Aber es wird nicht reichen, eine Strohraufe in den Stall zu hängen oder den Tieren zehn Prozent mehr Platz zu bieten. Es wird weit reichende Veränderungen geben müssen. Das Neuland-Programm zeigt seit fast 30 Jahren, wie eine artgerechte Nutztierhaltung aussehen kann.

Der wissenschaftliche Beirat hat in seinem Gutachten aufgezeigt, wie eine Tierhaltungswende in Deutschland vollzogen werden kann. Ihre Aufgabe haben die Wissenschaftler sicherlich nicht darin gesehen aufzuzeigen, wie man die Einkommen der Bauern verbessern kann. Bestandsgrößen spielten für sie auch keine Rolle. Aber dennoch sind dort Maßnahmen beschrieben, die einen Umbau der Tierhaltung voranbringen können. Minister Schmidt hat leider bislang noch nicht erkannt, dass jetzt Handeln angesagt ist. Zu hoffen ist, dass sein dreistufiges Tierwohl-Label, welches er zur Grünen Woche 2017 vorstellen will, eine Premiumstufe beinhaltet, die dem Neuland-Standard entspricht. Es wird im Moment auf dem Markt viel mit Tierwohl geworben, auch dort, wo leider keines dahinter steckt. Ein gutes Label könnte hier für Klarheit sorgen.

Aber auch die Länder sind gefordert, verbesserte Tierhaltungsbedingungen über die zweite Säule zu fördern. Die Stallbauförderungen sind ebenfalls nur noch für Ställe zu gewähren, die ein sehr hohes Maß an Tierwohl gewährleisten.

Landwirten mit Stallbauplänen ist dringend zu empfehlen, mindestens keine Ställe nach altem Muster mehr zu bauen, welche in wenigen Jahren dann wieder teuer umgebaut werden müssen. Insbesondere Schweinehalter sollten nur Stallsysteme wählen, bei denen auf das Kupieren der Schwänze verzichtet werden kann.

Bei aller Kritik an der Brancheninitiative Tierwohl war sie doch ein Angebot an die Landwirte, erste Schritte in Richtung Haltungsverbesserungen zu machen. Aber zum einen müsste sich das Programm durch verbesserte Angebote an die Tiere weiterentwickeln, zum anderen ist hierfür natürlich viel mehr Geld notwendig, als bislang vorgesehen ist. Als entscheidende Frage bleibt, wie die bäuerlichen Betriebe von einer artgerechten Tierhaltung profitieren können, über die Tatsache hinaus, dass sie dann nicht länger im Kreuzfeuer der gesellschaftlichen Kritik stehen. Eine vernünftige Tierhaltung verursacht mehr Arbeit, die entlohnt werden muss, das höhere Platzangebot und Stroheinstreu verursachen weitere Kosten. Als das Neuland-Programm entstand, hat die AbL neben den Bestandsobergrenzen für eine gerechte Entlohnung der zusätzlichen Arbeit gestritten. Die Verkaufspreise an die Endkunden müssen entsprechend verhandelt werden! Dieses wird der entscheidende Punkt sein, um die Bauern für den Tierschutz zu begeistern. Ein positives Beispiel, wie so etwas laufen kann, haben die Bauern aus Baden-Württemberg geliefert, die Edeka Südwest mit Schweinen der Premiumstufe des Tierschutzlabels beliefern. Sie haben eine Gesamtkostenkalkulation aufgestellt und so einen auskömmlichen Preis mit einer zehnjährigen Garantielaufzeit verhandelt. Es wird letztendlich von uns Bäuerinnen und Bauern abhängen, ob es eine erfolgreiche Tierhaltungswende geben wird. Aber es ist auch eine Chance, wieder mehr Wertschöpfung auf die Betriebe zu holen und die Tierhaltung in bäuerlichen Strukturen zu halten, packen wir es an!