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29.09.2016
mn

Sie werden die Welt nicht retten!

Immer größere Agrarchemiekonzerne wollen an der Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung verdienen

Bayer und Monsanto schließen sich zusammen. Das Gefühl eines Donnerschlags lief über das Land, über E-Mail-Verteiler, Presseportale und durch die Kommentarspalten der Zeitungen. Das böse Gentechnikunternehmen aus Amerika und der deutsche Pharmariese. Monsanto mit seinem Herrschafts- und Besitzanspruch, mit seinen Patenten auf Pflanzen und Tiere. Das Unternehmen, das Farmer und Regierungen verklagt, wenn es seine Patente bedroht sieht. Ein Unternehmen, das mit seiner Kombination aus dem Totalherbizid Glyphosat und den dazugehörigen resistenten Soja-, Mais- und Baumwollpflanzen ein neues Agrarsystem geprägt hat: großflächig, durch industriell rationalisierten Anbau von Cash-Crops, nicht selten, vor allem in Südamerika, zu Lasten der einheimischen Bevölkerung. Deren Dörfer liegen zum Teil mitten in den Feldern und werden einfach mit besprüht. Schädigungen der Kinder im Mutterleib und hohe Krebsraten sind die Folge. Die Schuld von Monsanto? Natürlich ist das Unternehmen nicht für den missbräuchlichen Einsatz seiner Produkte verantwortlich. Verantwortlich aber ist es für das Agrarsystem, das deren Einsatz erst sinnvoll werden lässt und das von Monsanto mit vorangetrieben wird.

Der Bauer hat keine Stimme

„Jetzt beginnt eine neue Zeit in der Landwirtschaft – eine Zeit mit bedeutenden Herausforderungen, die neue nachhaltige Lösungen und Technologien verlangt, damit Landwirte bei weniger Einsatzmitteln mehr produzieren können“, gibt sich die Pressestelle von Bayer erfolgstrunken. Doch die Landwirte verkommen in diesem Wirtschaftsmodell immer mehr zu Rohstofflieferanten, werden zu Feldarbeitern, denen nicht einmal mehr Land und Maschinen gehören müssten. Monsanto und Bayer vereinen über 90 Prozent der gentechnisch veränderten Pflanzen in ihren Unternehmen. Die Abhängigkeit freier Bauern, aber auch der nachfolgenden Lebensmittelindustrie und der Verbraucher könnte wohl kaum größer sein. Das internationale Geschäft mit Pestiziden und Saatgut wird zu immerhin 28 Prozent von Bayer und Monsanto bestritten.

Geschäfte machen

Für knapp 59 Milliarden Euro kauft der deutsche Chemiekonzern Bayer den US-Konkurrenten Monsanto und könnte damit größter Saatgut- und Pestizidhersteller weltweit werden. Im vergangenen Jahr machten beide Unternehmen zusammengerechnet pro forma einen Umsatz von 23 Milliarden Euro im Agrarbereich. Auch seinen Aktionären, die augenblicklich kritisch auf die im Rahmen der Übernahme massiv gewachsene Verschuldung von Bayer blicken dürften, macht das Unternehmen Hoffnung: „Neben dem langfristigen Wertschaffungspotenzial durch den Zusammenschluss erwartet Bayer, dass seine Aktionäre von einem positiven Beitrag zum bereinigten Ergebnis je Aktie im ersten vollen Jahr nach Abschluss der Transaktion profitieren werden. Für das dritte volle Jahr wird ein positiver Beitrag im zweistelligen Prozentbereich erwartet“, so das Unternehmen auf seiner Homepage.

Global statt regional

Schon in den vergangenen Jahrzehnten unterlag der Saatgutmarkt, die Vielfalt der Saatgutzüchter, einem fortschreitenden Konzentrationsprozess. In der Kombination mit Patenten und Nachbaugebühren wurde und wird den Landwirten hier und weltweit die Selbstbestimmung über ihre Ernte immer weiter entzogen. Aber schon zum Zeitpunkt der Züchtung werden entscheidende Weichen gestellt. Wer entscheidet, was zukünftig angebaut werden soll? Welche Qualitäten die neuen Sorten besitzen sollen? Was erhalten und was verworfen wird? Es sind staatliche Einrichtungen, die die Genbanken betreiben, die die Vielfalt bewahren und damit die Grundlage für heute noch nicht absehbare zukünftige Herausforderungen infolge von Klimawandel und Umweltzerstörung, Erosion der Böden und Wassermangel. Aber es sind die Unternehmen und weltweit agierenden Konzerne, die das Saatgut kontrollieren und die ihr Geschäftsmodell auf die Entwicklung immer neuer Sorten und deren Verkauf an Bauern und Farmer weltweit ausgerichtet haben. Es ist nicht vorrangig ihr Ziel, die Menschen zu ernähren, auch wenn das in den Presseverlautbarungen immer wieder anklingt: „Die Agrarwirtschaft steht vor einer der größten Herausforderungen unserer Zeit: Wie schaffen wir es, bis zum Jahr 2050 zusätzlich drei Milliarden Menschen auf ökologisch nachhaltige Art und Weise zu ernähren?“ Als ginge es um einen globalen Rettungsplan, in dem die Agrarunternehmen gemeinsam die Versorgung der Menschheit zu ihrer zentralen Aufgabe gemacht hätten. Es dürften vielmehr das prognostizierte Wachstum der Menschheit und die dadurch steigende, gesicherte Nachfrage nach Lebensmitteln sein, weswegen die Unternehmen mit guten Gewinnen und Wachstumschancen rechnen.

Neue Gentechnik

Die Kombination aus Pestizid und Pflanze, ob nun resistent oder im Anbausystem so anfällig, dass sie ohne chemische Unterstützung nicht angebaut werden kann, ist für Agrochemiekonzerne wie Bayer oder Monsanto schon jetzt ein sicheres Einkommensmodell. Ein System wie beispielsweise das Totalherbizid Glyphosat zusammen mit den dazugehörigen resistenten Pflanzen scheint unschlagbar. Viele neu entstandene Unkrautresistenzen haben allerdings die Grenzen dieses Systems aufgezeigt. Mit den Methoden der neuen Gentechnik, die beide Unternehmen nicht als solche verstanden und vor allem nicht gekennzeichnet und reglementiert sehen wollen, stehen aber schon die Techniken für die nächste Generation von Genpflanzen zur Verfügung. Nicht mit uns Das Recht auf Nahrung ist ein fundamentales Menschenrecht und in vielen Konventionen haben sich Staaten darauf verpflichtet. Dennoch besteht in vielen Ländern eine große Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Immer schwieriger wird die Umsetzung des Rechts auf Nahrung, wenn Konzerne global über Ländergrenzen hinweg agieren und ihre Gewinne abschöpfen wollen. „Die Vereinten Nationen stellen in ihren Jahresberichten immer wieder fest, dass genügend Lebensmittel auf der Welt erzeugt werden, aber es mangelt an der gerechten Verteilung und an freiem Zugang zu Wasser, Boden, Saatgut und Bildung“, stellt Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft fest. Die Konzentration der Nahrungsgrundlage, des Saatguts, bei wenigen Unternehmen bedroht die Ernährungssouveränität der Bevölkerung. Sich nicht von Unternehmen diktieren zu lassen, was wie angebaut werden darf, das haben sich Initiativen weltweit zur Aufgabe gemacht. Für Georg Janßen ist der Zusammenschluss von Monsanto und Bayer eine Kampfansage, die darin liegt, „dass sie die Lebensmittelerzeugung vom Acker des Bauern bis zum Teller des Verbrauchers in den Griff bekommen wollen. Der internationale Saatgut- und Lebensmittelmarkt verspricht Macht und enorme Profite. Warum sollten wir als Zivilgesellschaft zulassen, dass unsere Lebensgrundlagen in die Hände weniger Konzerne gelegt werden?“