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29.08.2016
Christoph Dahlmann, Geschäftsführer von Neuland West und Biofleisch NRW eG

Arbeitsauftrag für die Tierhalter

Christoph Dahlmann, Geschäftsführer von Neuland West und Biofleisch NRW eG

Kommentar

„Wenn ich abends die Stalltür hinter mir zuziehe, weiß ich, dass es unseren Tieren gut geht", so eine Bäuerin auf dem Veredlungstag 2014 in Cloppenburg. Die konventionelle Ferkelerzeugerin echauffierte sich damals über die aus ihrer Sicht zunehmenden Anfeindungen gegenüber den Zuständen in der konventionellen Tierhaltung. Die Initiative Tierwohl war damals in aller Munde und die Aussage sollte unterstreichen, dass es den Schweinen auch ohne die Verbesserungsvorschläge der Initiative gut gehen würde.

Die 2015 gestartete Initiative Tierwohl hat kleine Verbesserungen für die teilnehmenden Betriebe zur Pflicht gemacht. Ein bisschen mehr Platz, 0,9 m² statt 0,75 m², ein bisschen mehr Fensterfläche und dies alles weiterhin auf Spaltenböden. Was war das für ein beschwerlicher Weg zwischen Bauern, Verband und Lebensmittelindustrie!

Einen sicherlich nicht unbeschwerlicheren Weg geht das Neuland-Programm für artgerechte und umweltschonende Tierhaltung. Seit mehr als 25 Jahren zeigt der Pionier bezüglich artgerechter Tierhaltung, wie eine wirklich artgerechte Haltung aussehen kann. Eine Haltung auf Stroh mit 1,5 m² Platz für jedes Mastschwein, Auslauf und der Ringelschwanz inklusive. Dies sind nur einige Punkte, ein Strukturprogramm ist Neuland darüber hinaus auch geblieben, als einziges mit Bestandsobergrenzen.

Am Markt selber hat sich Neuland als Metzgerprogramm in einigen Regionen gut etabliert. Weitere Kunden sind Kantinen und Studentenwerke. Schwenkt man den Blick aber auf den gesamten Markt in Deutschland, muss man konstatieren, dass noch weniger als ein Prozent der gehaltenen Tiere unter Neuland- bzw. Biobedingungen gehalten und vermarktet werden. Setzt man diesen Wert in Zusammenhang mit der öffentlichen Debatte für mehr artgerechte Tierhaltung, ist die Schieflage unverkennbar.

Professor Spiller von der Universität Göttingen schätzte schon 2011 das Konsumentenpotential für Fleisch aus artgerechter Tierhaltung auf etwa 20 Prozent. Wohlgemerkt bei höheren Produktpreisen zur Deckung der höheren Kosten. Flankierend bekam die Debatte um mehr Tiergerechtheit in deutschen Ställen neuen Schwung durch das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats. Dieser forderte einen konsequenten Umbau für mehr artgerechte Tierhaltung. Von Neuland schrieben sie nichts, meinten aber eben genau dies.

Wo ist also der Hemmschuh für eine weitere Entwicklung des Marktes?

Im Biobereich lässt sich erkennen, dass der Weg zur Umstellung dann doch ein sehr weiter ist. Trotz lang anhaltender Preismisere in der konventionellen Schweinemast von Oktober letzten Jahres bis weit in das Frühjahr hinein und fast schon historisch hohen Bioschweinepreisen, hält sich die Zahl der Umsteller in einer überschaubaren Größenordnung. Dies hat mehrere Gründe. Einer ist sicherlich, dass es sich hier um einen kleinen wie auch sensiblen Markt handelt. Biofleischvermarkter wie die Biofleisch NRW eG haben ihn über Jahrzehnte hinweg aufgebaut.

Ihren Anteil von den Margen im Biobereich wollen auch die Discounter und der Lebensmitteleinzelhandel. Die EDEKA z. B. lockt mit derzeit gut dotierten Verträgen für Erzeuger von Verbandsware. Dass diese nicht nur ein Köder, sondern eine langfristige Perspektive werden, setzt einen harten und konsequenten Einsatz für die Interessen der Erzeuger in den Verhandlungen mit den so genannten Großen der Lebensmittelindustrie voraus. Verliert man hier die Basis des „Verhandelns auf Augenhöhe", ist eine weitere Konventionalisierung der Strukturen vorhersehbar.

Sowohl für Bio als auch für Programme wie Neuland gilt das Gleiche: Bei einem Eintreten für eine artgerechte und bäuerliche Tierhaltung im Zusammenspiel mit zukunftsorientierten gesellschaftlichen Gruppen und Verbänden, mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft werden die Chancen und Potentiale für eine Ausdehnung im Interesse von Tier, Erzeuger, Vermarkter und Kunden weiter steigen.

Packen wir es an!