ISN für Haltungskennzeichnung

Jürgen Dierauff, Schweinehalter aus Franken und Vorstandsmitglied der ISN berichtet in der unanbängigen Bauernstimme von den Überlegungen der ISN rund um eine Haltungskennzeichnung. In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Kennzeichnungs-, Tierwohl- und Haltungskonzepte vorgestellt, die allsamt zum Ziel hatten das Tierwohl in den Ställen zu erhöhen. Während die Initiative Tierwohl höhere Standards zwar entlohnt aber das so erzeugte Fleisch nicht individuell kennzeichnet geht das Labl des Deutschen Tierschutzbundes deutlich weiter. Schon viee Jahre am Markt besteht das Neuland-Siegel. Allen bisherigen Siegeln inklusive der Aktivitäten des Lebensmitteleinzelhandels bleibt aber gemein, dass die Marktdurchdringung bisher nur sehr beschränkt ist. Hier sieht Dierauff Handlungsbedarf: „Wenn nur geringe Mengen vermarktet werden, ergeben sich hohe Logistikkosten entlang der Kette. Letztlich muss der Preis sehr hoch sein und es wird schwierig, die Produkte an den Verbraucher zu bringen.“ „Eine verpflichtende Kennzeichnung der Haltungsform könnte helfen, dahin zu kommen. Wir könnten z.B. auf die Kennzeichnung wie bei den Eiern aufbauen. Die Ziffer „0“ wäre dann wie gehabt Bio, „3“wäre gesetzlicher Standard. Und dann hätten wir noch zwei Labelstufen für mehr Tierwohl.“ so das ISN-Vorstandsmitglied. Lidl hat jetzt die Einführung einer Haltungskennzeichnung für das unter Eigenmarken verkaufte Fleisch angekündigt. Auch hier sind vier Stufen vorgesehen. Kleiner Schönheitsfehler: Man hat sich nicht an der schon bekannten Eierkennzeichnung orientiert, 4 gleich Stallhaltung bis 1 gleich Bio, sondern dreht die Reihenfolge um. 1 gleich Stallhaltung und 4 gleich Bio. "Unser Ziel ist es, dass sich langfristig das Haltungs- und Tierwohlniveau in der gesamten Branche hebt und Lidl das komplette Eigenmarkensortiment im Bereich Frischfleisch auf mindestens Stufe 2 'Stallhaltung Plus' umstellt", erklärt Jan Bock, Geschäftsleiter Einkauf bei Lidl Deutschland auf Top agrar. Aus Sicht der Bauern gilt es jetzt, da die großen Player sich engagieren, sicherzustellen, dass auch sie zukünftig einen auskömmlichen Preis erzielen.

19.02.2018
Von: mn

Jürgen Dierauff, Schweinehalter und Vorstand ISN